Bad Kissingen — Seit 125 Jahren gibt es im Altlandkreis Bad Kissingen die ehrenamtlichen Sanitäter und Helfer der Rot-Kreuz-Bereitschaft. Am kommenden Wochenende wird dieses Jubiläum mit Gottesdienst und Festakt für geladene Gäste sowie mit Fahrzeugausstellung vor dem Landratsamt (Samstag) und einer Schauübung am Rot-Kreuz-Haus (Sonntag) auch öffentlich gefeiert.
Knapp 140 Mitglieder zählt die Bad Kissinger BRK-Bereitschaft heute. Zwar sind nicht alle im Sanitätsdienst aktiv. Manche packen nur mal mit an, wenn sie beispielsweise bei Veranstaltungen für Senioren als Hilfskräfte gebraucht werden. "Wir können auf keine Hand verzichten", will deshalb Bereitschaftsleiter Thomas Menz keinen Unterschied machen.
Mit dieser Meinung dürfte er sich auch nach 125 Jahren kaum von seinem Vorgänger Medizinalrat Karl Beyerlein unterscheiden, dem damals in Bad Kissingen verantwortlichen königlich bayerischen Bezirksarzt.
Am 19. Oktober 1889, knapp ein Vierteljahrhundert nach dem ersten Einsatz des bayerischen Roten Kreuzes in Bad Kissingen zur Versorgung der Verletzten im Deutschen Krieg von 1866, startete Beyerlein in der Zeitung einen Aufruf. Nur drei Tage später gründeten 15 Kissinger Bürger am Abend des 22. Oktober im Gasthof Reith an der Unteren Marktstraße die erste Kissinger Sanitätskolonne aus ehrenamtlichen Mitgliedern. In eigens für sie durchgeführten Lehrgängen wurden sie in Erster Hilfe ausgebildet.
Zehn Jahre später war 1899 die Mitgliederzahl auf über 50 angestiegen, deren Arbeit aus Spenden finanziert wurde.
In jenem Jahr begann man mit dem Bau eines eigenen Bereitschaftshauses in der Hartmannstraße, das am 20. Mai 1900 feierlich eingeweiht wurde und noch heute, neben der BRK-Zentrale in der Landwehrstraße, vom Roten Kreuz genutzt wird. Drei eigens dafür aufgelegte Lotterien spielten 24 000 Mark ein. Weitere Spenden kamen von Badearzt Geheimrat Oskar von Diruf (1824-1912) und dem in den USA schon in jungen Jahren reich gewordenen Unternehmer Anton Kliegl (1872-1927).
Zu dieser Zeit gab es bereits das vom Roten Kreuz betriebene Veteranenheim in der Oberen Saline. Die dortigen Wohnräume wurden auf Kosten der Kissinger Sanitätskolonne in den Sommermonaten Soldaten des Deutsch-Französischen Krieges (1870/1871) für Kuraufenthalte zur Verfügung gestellt.

Krankentransport mit Landauer

Ab 1913 führte die Sanitätskolonne Krankentransporte im Altlandkreis Bad Kissingen mit einem zweispännigen "Transport-Landauer" durch, der sogar im tief verschneiten Winter einsatzbereit blieb: Man stellte einfach die Räder auf Schlittenkufen. Die Krankenkabine war beheizbar. Mit dem Ersten Weltkrieg und der bald nachfolgenden Wirtschaftskrise brachen auch für die Sanitätskolonne schwierige Zeiten an. Dennoch konnte sie sich 1928 einen modernen Krankenwagen aus den Hamelner Selve-Werken "mit modernster Innenausstattung" anschaffen.
Doch 1938 kam für die Kissinger das Aus ihrer Selbständigkeit: Nach dem "Gesetz über das Deutsche Rote Kreuz und andere freiwillige Hilfsgesellschaften im Sinne der Genfer Rotkreuz-Abkommens" vom 1. Januar 1938 verlor die Sanitätskolonne ihre Eigenständigkeit als eingetragener Verein und wurde als Ortsgruppe in die Organisationsstruktur des Deutschen Roten Kreuz eingefügt.
Schon bald nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die BRK-Bereitschaft als ehrenamtlicher Hilfsdienst wieder in gewohnter Weise aktiv und rief zu Kleiderspenden für entlassene Soldaten, Flüchtlinge und sonstige Bedürftige auf. 1954 verfügte man sogar über eine zehn Mann starke Motorradstaffel und zwei Jahrzehnte später versahen fast 50 Mitglieder den ehrenamtlichen Dienst.
Heute verfügen die 140 ehrenamtlichen Mitglieder der BRK-Bereitschaft, organisatorisch vom hauptamtlichen Tätigkeitsbereich des Kreisverbandes getrennt, über einen stattlichen Fuhrpark von zehn Fahrzeugen, vom eigenen Rettungswagen, drei Krankenwagen und einem geländegängigen Offroad-Jeep über ein Feldküchen-Fahrzeug bis zum großen Geräte-Lkw für Katastropheneinsätze. "Unsere Mittel erwirtschaften wir selbst durch Altkleidersammlungen oder ähnliche Aktionen", erklärt Thomas Menz. "Aber ohne die Spenden unserer Fördermitglieder wäre unser Katastrophenschutz kaum aufrecht zu erhalten." So kostet eine einzige Schutzausrüstung schon 600 Euro, dazu kommen noch Ausbildungskosten bis zu 2000 Euro pro Person.