Das aktuelle Kirchenjahr endet. Heuer fällt der letzte Sonntag unseres Kirchenjahres auf das letzte Novemberwochenende.
Bei uns evangelischen Christen ist das der Totensonntag, auch Ewigkeitssonntag genannt. Wir erinnern uns an unsere Verstorbenen. Daran, dass auch unser Leben endlich ist und wir in der Nachfolge Christi hoffen, dass unseren aller Tod als zweite Geburt, als Durchgang in die Liebe Gottes zu verstehen ist.
Das sind vielschichtige Gedanken über unser Dasein, ganz weit weg vom Rummel über unser "Haben", beim Konsum, an verkaufsoffenen Sonntagen, bei Jahresabschlüssen und schließlich auf Weihnachtsmärkten, beim Geschenkesammeln und auf zahlreichen Advents- und Weihnachtsfeiern. Aber dieser Rummel erwartet uns spätestens ab dem ersten Advent, dem Beginn des neuen Kirchenjahres. Die Gedanken vom Toten- und Ewigkeitssonntag gehen dabei oft unter.
Die emotionale Dichte in unserer kurzen Adventszeit halten nur wenige von uns wirklich gelassen aus. Denn es muss dieses Jahr in nur drei Wochen einerseits möglichst viel erledigt und abgeschlossen werden. Andererseits heißt es, auf Knopfdruck besinnliche Einheiten in Harmonie und Liebe zu genießen, ruhig zu werden, sich auf Gott einzulassen, auf dessen Menschwerdung in Jesus Christus wir zusteuern. So kommt es zu Spannungen und Konflikten in uns selbst, in der Arbeit, in unseren Dörfern bis in unsere Familien hinein. Viele sind einfach überfordert.
Ist das eine zwingende Folge der Botschaft der Liebe Gottes zu uns Menschen, auf die wir uns in der kommenden Adventszeit vorbereiten? Wohl kaum. Nutzen wir im Anbetracht unserer eigenen Endlichkeit die Zeit zwischen den (Kirchen-)Jahren, das heißt, nutzen wir die kommende Woche und besinnen uns darauf, worauf es in unserem Leben, in unserem Sein wirklich ankommt.
Denken wir um, vielleicht ganz neu. Handeln wir einfach anders, auch wenn es schwer ist, sich gegen den Trend der Zeit zu stellen. Denn: "geht nicht - gib's nicht". Ihnen allen einen guten Start ins Neue Kirchenjahr mit befreienden Gedanken und Gottes reichhaltigen Segen.

(Kai T. Garben ist evangelischer Pfarrer in Westheim).