markus häggberg

Das Pressewesen ist ein hohes Gut. Eine freie Presse gehört ganz wesentlich zur Demokratie. Beliebt ist sie darum noch lange nicht und das gilt im Großen wie im Kleinen. Doch nur im Kleinen, also auf lokaler Ebene, nimmt die Abneigung gegen die Presse lächerliche Züge an, wohingegen sie im Großen der Tragik vorbehalten bleibt.
Nach diesem salbungsvollen Auftakt nun ein paar Szenen aus dem Lokalreporteralltag. Er erfährt immer wieder, dass mit seinem Beruf gefremdelt wird. Kurios dabei ist, dass er ja nicht an Watergate recherchiert, sondern eine Straßenumfrage zu vergleichsweise banalen Themen machen muss. Dann aber winken viele Menschen ab oder sagen so Dinge wie: "Oh ne, wenn das mein Nachbar liest..."
Sie tragen Bedenken, als ob ihr Job davon abhinge, welchen Bürgermeisterkandidaten sie bevorzugen oder ob sie finden, dass das Stadtmuseum ins Stadtschloss umziehen sollte. Wie gesagt, sie werden nicht zu ihrer Kontonummer befragt, sondern dazu.
Manchmal sagen sie aber auch tatsächlich etwas von Gehalt, wollen es dann aber textlich glätten und kommen auf Satzgebilde, die vor lauter Rhetorik keinen Inhalt mehr haben. Und sie möchten mit ihrem Gesicht (auf Foto) nicht für das Gesagte einstehen.
Andererseits gibt es auch sehr wütende Bürger, die so Sachen sagen wie: "Das war alles ganz anders, darüber sollten Sie einmal schreiben, das muss doch mal gesagt werden!" Aber auch dann weigern sie sich, mit ihrem Namen oder ihrem Gesicht einzustehen. Obwohl sie ihren eigenen Namen in einer Zeitung nicht lesen möchten, erwarten sie, dass über Menschen und Sachverhalte namentlich berichtet wird. Schließlich sehen sich als engagierte Bürger und kritische Zeitgenossen.
Doch nähme man ihr Verhalten zum Maßstab, lauteten Meldungen ungefähr so: "Neulich beschloss der Stadtrat eine Maßnahme. Wie ein Stadtrat (Name von der Redaktion vermieden) kritisch andeutete, sei das nun auch eventuell mit Unannehmlichkeiten verbunden. Ein Abgeordneter der gegnerischen Partei ließ verlautbaren, dass er ob der Angelegenheit entspannter in die Zukunft sehe. Worin er allerdings eine Gefahr erblicke, läge in einem bisher noch kaum berücksichtigten Nebeneffekt, der sich abseits des Eigentlichen zutragen könnte. Deutliche Worte würde er darum an den politischen Gegner richten. Nicht gleich, aber bald. Auf gar keinen Fall aber wolle er falsch zitiert werden. Auch das müsse in aller Deutlichkeit gesagt werden."