Tobias Kindermann

Der Krankenhausausschuss des bayerischen Gesundheitsministeriums hat in seiner jüngsten Sitzung in München entschieden: Die Juraklinik in Scheßlitz bekommt eine neue Fachabteilung mit 35 orthopädischen und unfallchirurgischen Betten. Damit will man auch einen Teil der Betten nun dort vorhalten, die der Bezirk in Kutzenberg streicht. Zum Jahresende soll in Kutzenberg die Orthopädie geschlossen werden, rund 70 Betten umfasst diese Abteilung. Der Bezirk ist nicht dazu verpflichtet, so eine Station vorzuhalten. Dort mache man zu hohe Verluste, führte die GdBO, die Trägergesellschaft der Kliniken des Bezirks, an. 115 Vollzeitstellen sind betroffen. Neben der Orthopädie wandert die Thoraxchirurgie ab. In diesem Fall ans Klinikum Bamberg, wo man mit Kutzenberg ein Lungenkrebszentrum aufbauen wird. Damit wird ein Teil der Arbeitsplätze ins Klinikum Bamberg erhalten wandern.
Aus Sicht der Scheßlitzer Klinik freut man sich natürlich über die Zusage aus München, so halte man ein Angebot in der Region vor und stärke den eigenen Standort, sagt Monika Röther, Geschäftsführerin der GKG, in der der Landkreis Bamberg seine Kliniken in Scheßlitz und Burgebrach zusammengeführt hat. Doch in Scheßlitz steigt die Bettenzahl nicht um 35, sondern von 120 auf 130. "Wir organisieren intern etwas um", sagt Röther.
Für die neue Abteilung muss auch nicht eigens gebaut werden. "Für bauliche Maßnahmen müssen wir kein Geld in die Hand nehmen." Doch finden hier Beschäftigte aus Kutzenberg eine neue Arbeit? "Wir beschäftigen 60 Pflegekräfte in Scheßlitz", sagt Röther. Damit zeichnet sich auch ab: Viel Bedarf wird hier nicht sein. Im Lichtenfelser Klinikum, das zu Regiomed gehört, will man ebenfalls mehr orthopädische Betten anbieten, hat aber nicht mehr Bedarf in München angemeldet. Dieser Bedarf soll durch die kürzere Belegungszeiten in den Betten des neuen Klinikums gedeckt werden. Doch grundsätzlich habe man dadurch schon höheren Bedarf an Fachpersonal, sagte Regiomed-Geschäftsführer Joachim Bovelet schon vor einiger Zeit.
Am nächsten Dienstag wird das Thema "Kutzenberg" noch einmal im Landratsamt Lichtenfels zur Sprache kommen. Mitarbeiter aus Kutzenberg hatten sich mit zwei Petitionen an den Landtag gewendet, "Schließung von Standorten des Bezirksklinikums Obermain" und "Erhalt der Schmerzambulanz am Bezirksklinikum Kutzenberg". Die Landtagsabgeordneten Jürgen Baumgärtner (CSU) und Susann Biedefeld (SPD) wollen sich vor Ort informieren.
Zum Thema "Medizinisches Versorgungszentrum Lichtenfels" - hier unterhält der Bezirk eine ambulante Lungenarztpraxis - gibt es auch Neues: Der Bezirk will die Ambulanz Mitte 2018 nach Kutzenberg verlegen, ein Umbauantrag für ein Gebäude auf dem Gelände dort wurde am Dienstag im Ebensfelder Bauausschuss behandelt und genehmigt. Der Lichtenfelser Bürgermeister Andreas Hügerich (SPD) hatte sich wegen des Themas schon im Mai schriftlich an Bezirkstagspräsident Günther Denzler (CSU) gewendet, aber keine Antwort erhalten. Von der Verlegung erfuhr Hügerich erst vor wenigen Tagen aus der Zeitung. Es sei kein Schreiben beim Bezirk eingegangen, heißt es in einer Stellungnahme vom Bezirk nun: "Die fehlerhafte Zustellung haben wir nicht zu verantworten. Selbstverständlich beantworten der Bezirk Oberfranken und die GeBO eingehende Schreiben in einem angemessenen Zeitraum." Die Argumente von Hügerich für einen Verbleib in Lichtenfels hält der Bezirk für nicht stichhaltig (bessere Anbindung, Apotheken, Belebung der Innenstadt). "Auch nach Prüfung der vorgebrachten Argumente sieht die GeBO keinen Änderungsbedarf an den getroffenen Entscheidungen. Das Bezirksklinikum Obermain verfügt über eine gute straßenmäßige Anbindung, die für das MVZ vorgesehenen Räume sind barrierefrei zu erreichen. Parkplätze für das MVZ sind vorhanden." Immerhin - nun soll doch noch ein Gespräch stattfinden. Hügerich wird demnächst einen Termin vorschlagen. Er nimmt sich vor: "Ich werde davor die Argumente des Bezirkes noch einmal gründlich durchgehen."