Bamberg — "Nein, Schlangen fangen ist auch für uns Feuerwehrleute nicht ganz alltäglich", sagte Stadtbrandrat Matthias Moyano. Zu einer "Kleintierrettung" waren seine Kameraden von der Ständigen Wache in die Luitpoldstraße gerufen worden. Das Kleintier entpuppte sich als gar nicht allzu kleines, dafür aber exotisches Kriechtier: Die Feuerwehrleute holten eine Kornnatter aus einem Kellerschacht.

Aus Amerika

Ihren natürlichen Lebensraum hat diese Schlange entlang der Ostküste Nordamerikas vom Bundesstaat New York bis in die Florida Keys. Mit einer Körperlänge von bis zu eineinhalb Metern zählt sie zu den mittelgroßen Arten innerhalb der Gattung der Kletternattern. Sie ernährt sich als dämmerungs- und nachtaktiver Lauerjäger von kleinen Säugetieren wie Mäusen oder Ratten, Amphibien, Reptilien und Vögeln. Die sehr kletterfreudigen Kornnattern plündern auch Vogelnester und verspeisen die darin enthaltenen Eier und Jungvögel.
Wie kommt die Schlange nach Bamberg in die Luitpoldstraße? "Solche Funde kommen immer wieder mal vor", sagt Jürgen Gerdes vom Umweltamt der Stadt Bamberg. Zuletzt habe eine derartige Schlange am Jakobsberg neben einem Hauseingang gegrüßt. "Die Kornnatter gehört zu den am leichtesten zu haltenden Reptilien. Sie ist ungiftig", klärt der Biologe auf. Daher sei sie gerade bei Anfängern, was die Haltung exotischer Haustiere angehe, beliebt. "Aber sie ist auch ziemlich ausbruchsfreudig", sagt Gerdes, "sie stammt sicherlich aus irgendeinem Terrarium".
Die Kornnatter aus der Luitpoldstraße konnte schließlich eingefangen werden. Sie blieb unbeschadet - wie auch ihre Retter. "Bei derart außergewöhnlichen Einsätzen holen wir immer Rat ein", erklärt der Stadtbrandrat. Erst nach Rücksprache mit dem Tierheim oder einem Tierarzt könne man sich an die Arbeit machen. Und die habe in diesem Fall zunächst darin bestanden, den Keller abzusichern, damit kein Mensch gefährdet werde.

Feuerwehr ist oft machtlos

Dass die Feuerwehr es mit weniger exotischen oder "harmloseren" Tieren wesentlich häufiger zu tun habe, sei übrigens ein Irrglaube, so Moyano. "Das Kätzchen, das sich aufs Dach hoch verirrt, kommt in der Regel auch alleine wieder heil runter", sagt Moyano. Und Insekten, so der Kreisbrandrat, stehen oft unter Schutz, so dass auch Wespennester oder Bienenschwärme in der Regel kein Fall für die Feuerwehr seien. Moyano: "Nur wenn Gefahr in Verzug ist, schreiten wir ein." tst