Als Kunsthalle haben die Besucher das Marktleugaster Rathaus bisher noch nicht erlebt. Mit der Öffnung des Foyers für Ausstellungen betritt die Marktgemeinde Neuland. Seit Mittwoch werden im Rathaus die fotografischen Arbeiten von Georg Hornfischer aus Schwarzenbach/Saale gezeigt. Unter dem Titel "Berührungen" hat er Porträts alter Menschen zu einer Ausstellung zusammengefasst, die bis zum 28. April zu sehen ist.

Das Projekt kommt von der evangelischen Kirchengemeinde Stammbach-Mannsflur in Zusammenarbeit mit dem evangelischen Bildungswerk im Dekanat Münchberg. Bürgermeister Franz Uome verspricht in Zukunft weitere Präsentationen von Kunst und Kultur im Rathaus. Bei seiner Eröffnungsansprache konnte er den Künstler und über 50 Gäste begrüßen.

Als die Idee zur Ausstellung von Margret Schoberth, der Zweiten Vorsitzenden des evangelischen Bildungswerks, an ihn herangetragen worden sei, habe er das Projekt sehr gern angenommen, versicherte er. Weil die evangelische Kirchengemeinde in Marktleugast keinen geeigneten Raum für Veranstaltungen hat, habe er das Foyer des Rathauses zur Verfügung gestellt. "Es ist die erste Veranstaltung dieser Art", erklärte Franz Uome. Zur Vorbereitung seien Galerieleisten angeschafft und vom Bauhof montiert worden.

Pfarrerin Susanne Sahlmann bedankte sich im Namen der Kirchengemeinde Stammbach-Mannsflur beim Bürgermeister und seinem Team.

An den Wänden im Foyer über das Treppenhaus bis in den ersten Stock hängen die großformatigen Fotografien. Georg Hornfischer hat sie in einem Rehauer Pflegeheim aufgenommen. Es sind sachliche und gleichzeitig intime Studien von alten Menschen. Bewusst sind sie fast alle in Schwarz-Weiß gehalten, um Distanz und Würde zu verstärken. Die Betrachter schauen in Gesichter, in die das Leben seine Spuren eingezeichnet hat. "Die Bilder laufen nicht den gängigen Klischees von Schönheit nach", würdigte Gemeindepfarrer Hans-Jürgen Müller, Vorsitzender des evangelischen Bildungswerks. Die Fotos zeigten "Menschen in ihrer Gebrochenheit, Menschen mit Falten, Runzeln, struppigen oder frisierten Haaren. Die Bilder erzählen Lebensgeschichten, Höhen, Tiefen, Niederlagen. Nichts ist retuschiert."

Großes Interesse

Georg Hornfischer freute sich an dem enormen Interesse an der Vernissage, zu der auch ehemalige Kollegen gekommen waren. Bis zu seiner Pensionierung war Hornfischer Chef der Selber Polizei, viele Jahre lang Einsatzleiter bei den Nazi-Aufmärschen in Wunsiedel. Als nach dem Tod der Mutter sein Vater in ein Pflegeheim in Rehau kam, erlebte der Polizeibeamte hautnah den Alltag einer Pflegeeinrichtung mit ihren komplexen Aufgaben.

Durch die Besuche im Heim entstand im Lauf der Zeit eine persönliche Nähe zu den Menschen, es entwickelte sich Vertrauen. Zugleich entstand der Wunsch, die fortschreitende und bisher unheilbare Krankheit Demenz besser zu verstehen. Persönliche Begegnungen und die Beschäftigung mit wissenschaftlichen Erkenntnissen gingen Hand in Hand. Es sei "gereontologische Sensibilität", die seinen Blick leite. Er sei ein Beobachter, der durch die Linse festhalten möchte, wovor viele zurückschrecken. Er will die Demenz, "diese sogenannte Erkrankung des schleichenden Vergessens darstellen." Es ist "ein schwieriges, wahrscheinlich aber unmögliches Unterfangen", räumte er ein.

Einige seiner Bilder in der Ausstellung sind dazu ein erster Versuch. An Aufnahmen seines Vaters zeigt Georg Hornfischer Veränderungen auf: der Blick gehe allmählich durch die Besucher hindurch und werde leer. Die Reihenaufnahmen wollen aufmerksam und geduldig angeschaut werden.

Georg Hornfischer nennt die Zusammenstellung seiner Bilder "Berührungen", denn er ist überzeugt, dass Berührungen mit Blicken, Umarmungen oder einem Kuss die intensivste Form der Kommunikation sind, die auch bei Menschen in Demenz ankommt. "Auch beim Fotografieren spürst du gleichzeitig Danke und Bitte, Nähe und Unendlichkeit, Leichtigkeit und Schwere, Hilflosigkeit und Kraft."

Der junge Marktleugaster Musiker Leon Schramm begleitete die Veranstaltung mit leisen Liedern zur Gitarre. red