Der 13-jährige Yehonathan Peleg feierte in der israelitischen Kultusgemeinde in Bamberg seine Bar Mitzwa. Wer am Ende mehr strahlte, der 13-jährige Yehonathan Peleg oder seine Großmutter Shoshanna Kesous, lässt sich nur schwer sagen. Tatsache jedoch ist, dass beide mit großer Freude an der jüdischen Bar Mitzwa in der Bamberger Synagoge teilgenommen haben.
Aber auch die Stimmung innerhalb der israelitischen Kultusgemeinde war dementsprechend feierlich. Zumal Bar-Mitzwa-Feierlichkeiten nicht an der Tagesordnung stehen. "Wir haben die letzte Feier dieser Art vor fünf, sechs Jahren gehabt, obwohl die Gemeinde knapp 700 Mitglieder umfasst und als liberale Gemeinde zählt", sagte Arieh Rudolph, Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde in Bamberg.


Religiöse Mündigkeit

Eine Bar (Jungen) beziehungsweise Bat Mitzwa (Mädchen) bezeichnet im Judentum die religiöse Mündigkeit. Jungen erreichen sie im Alter von 13 Jahren, Mädchen im Alter von zwölf Jahren. Bar und Bat Mitzwa bezeichnet sowohl den Status als auch den Tag und die Feier, an dem die Religionsmündigkeit eintritt. Grundlage ist die rechtliche Regelung gemäß dem jüdischen Recht über den Zeitpunkt, ab dem ein Junge für die Beachtung und Einhaltung der jüdischen Gebote (Mitzwot, Einzahl Mitzwa) verantwortlich ist.


Religiöse Aufgaben erfüllen

Dieser Übergangsritus geht mit der physiologischen Pubertät einher. Der Bar Mitzwa oder die Bat Mitzwa darf beziehungsweise muss von da an alle religiösen Aufgaben erfüllen, etwa in der Synagoge aus der Tora vorlesen. Dazu gehört auch das Anlegen von Tefillin, das heißt Lederkapseln, die Tora-Stellen auf Pergament enthalten und mit Lederriemen an Hand und Kopf befestigt werden.
Eigentlich ist Yehonathan Peleg im englischen London zu Hause. Dass seine Bar Mitzwa allerdings in Bamberg stattfand, hat er mehr oder weniger seiner Großmutter zu verdanken. Denn diese kam vor über 20 Jahren der Liebe wegen nach Bamberg, und seitdem verbringt sie regelmäßig den Sommer in der Weltkulturerbestadt. "Als eines Tages meine Tochter zu Besuch war, gingen wir gemeinsam in Bamberg in die Synagoge. Daraufhin war meine Tochter derart begeistert, dass sie beschloss, die Bar Mitzwa ihres Sohnes hier in Bamberg abzuhalten", schilderte Shoshanna Kesous.


Tora stellt große Anforderungen

So kam, dass am Ende die ganze Familie aus England, Frankreich und teilweise aus Israel anreist, um mit dem Jungen zu feiern. Unterrichtet und auf die Bar Mitzwa vorbereitet wurde Yehonathan Peleg in seiner Heimatgemeinde, aber auch vom Bamberger Gemeinde-Rabbiner Dani Danieli. Was übrigens keine leichte Aufgabe war. Denn insbesondere das Vorlesen aus der Tora stellt große Anforderungen. Zumal diese in Hebräisch geschrieben ist und so gut wie ohne Satzzeichen und Interpunktionen auskommt. Am Ende konnte der 13-Jährige aber auch diese Aufgabe erfolgreich leisten und sehr zur Freude der Gemeinde den achten Schlussabschnitt, den sogenannten Maftir, aus der Tora zum Besten zu geben.