Wenn Ehrendirigent Herbert Blomstedt zum symphonischen Saisonabschluss nach Bamberg kommt, sind im Keilberthsaal fest geschlossene Reihen garantiert.

Er alleine genügt als Publikumsmagnet, weshalb auf ein Solokonzert verzichtet werden kann. Dafür gab es schwergewichtige Symphonik und mit "Tod und Verklärung" sowie der "Tannhäuser"-Ouvertüre geradezu emblematische Beiträge zum Saisonmotto "Symphonische Erzählungen". Für den als sehr gläubig geltenden Blomstedt wird die Wagner-Musik, wahrlich eine Apotheose des Chorals, besondere Bedeutung besitzen.

Freilich ließ sich nicht überhören, dass ihm die wollüstigen Wallungen der Venusmusik ähnlich leicht von der Hand gingen - ein Schlitzohr ist der Maestro halt auch! Einmal mehr überraschte es, wie anders Wagner doch klingen kann, wenn das Orchester aus dem Graben auf die Bühne gehievt wird.

Verlieren sich die Streicherpassagen in Bayreuth ätherisch im Raum, so wirken sie hier dominant und widerstreiten geradezu dem weihevollen Klang der Blechbläser.

Strauss wird billiger

Von Richard Strauss, der 1949 starb, wird es fürderhin wohl mehr zu hören geben, denn mit Ablauf der fatalen Schutzfrist von 70 Jahren ist es vorbei mit den unverdienten Tantiemen der Erben.

Etwas platt ausgedrückt: Strauss wird billiger. Die Bamberger Symphoniker haben sich bezüglich dieses Komponisten mit der wichtigen Einspielung des Frühwerks große Verdienste erworben. Herbert Blomstedt hatte sich mit "Tod und Verklärung" ebenfalls für ein frühes, aber überaus reifes Werk entschieden. Ob der Titel ihm, dem über 90-Jährigen, melancholische Abschiedsgedanken nahe legte?

Famoses Erlebnis

Die Musik klang mitnichten danach, denn Blomstedt erreichte mit seinem stets gestenarmen Dirigat ein facettenreiches, zwischen Abgründigkeit und hymnischer Übersteigerung oszillierendes Klangerlebnis, das auf die Unfehlbarkeit des Orchesters zählen durfte - famos!

Eingangs wurde - so teilt es das Programmheft mit - die 292. "Bamberger" Version von Beethovens "Eroica" geboten, was nach Routine klingt. Aber natürlich ganz anders ausging, denn schließlich stand der ewig suchende Herbert Blomstedt am Pult. Er beschränkte sich zunächst auf wenige Akzentsetzungen, förderte dann die Lust an den Sforzati und ließ die Durchführung des Kopfsatzes in einem knisternden Pianissimo enden. Wenn in der Reprise die überraschenden Tonartwechsel kommen, scheint die Musik ins Staunen zu geraten.

Im zweiten Satz entfaltet sich das Fugato des Adagio assai in würdevoller Breite, bevor die Marcia funebre zu ihrem trostreichen und von den Bläsern minutiös gestalteten Schluss kommen darf.

Nach einem Scherzo, das wie im Rausch vorbeisauste, war es im Finale wieder der Fugato-Abschnitt, der zu exquisiter Detailarbeit neigte. Das Fazit dieser "Eroica": so noch nie gehört, plastisch herausgearbeitet, begeisternd! Letzteres galt natürlich auch dem gesamten Abend, den man in Erinnerung behalten wird.