Er hat den Blues im Blut - und das seit über 40 Jahren. Die Rede ist von Wolfgang Kalb aus Hirschaid, einem Bluesurgestein Frankens. Er zählt nicht zu den Modernisierern dieser Musikrichtung, ganz im Gegenteil: Der Oberfranke ist ein Traditionalist, ein Bewahrer, der den Wurzeln dieser Musikrichtung nachspürt, der Songs ausgräbt, die bereits 80 oder mehr Jahre auf dem Buckel haben.

Am Samstag, 12. Januar, können sich die heimischen Bluesliebhaber ab 20.30 Uhr im Gasthof "Zur Linde" gemeinsam mit ihm auf die Suche nach längst vergessenen Bluesperlen machen. In den 70er und 80er Jahren war der heute 60-Jährige ein gern gesehener Gast auf heimischen Bühnen. Dann legte er für längere Zeit eine Pause ein, bis ihn der Bluesvirus erneut in die Kleinkunstkneipen der Region zog. Seit 2001 ist er wieder unterwegs, um Alt und Jung für den Zwölftakter zu begeistern.

Kalb ist ein Alleinunterhalter im wahrsten Sinne des Wortes: Er braucht keine Begleitband, um sein Publikum zu fesseln. Sein legendärer Auftritt im Gasthof "Zur Linde" vor einigen Jahren war beredter Beweis dafür. Seine Stimme klang damals, als hätte er sie von einem schwarzen Baumwollpflücker aus dem Süden der USA geerbt. Sein Timbre war enorm wandlungsfähig, passte sich den jeweiligen Stücken an: Es klang schmerzerfüllt, näselnd, rau und aufmüpfig, aber auch so, als wäre es in Schwermut getränkt. So ist es auch heute noch.

Behände beherrscht Kalb die Spieltechnik des Fingerpicking. Kalb erweist sich bei seinen Auftritten als versierter Spieler auf der Dobro-Gitarre aus Stahl, die einst von tschechischen Einwanderern entwickelt wurde, damit die Bluesgitarristen am Straßenrand gegen den Verkehrslärm ankämpfen konnten. Damit lässt er den Blues aufheulen, kreischen und lärmen. Ab und an streift er sich bei seinen Konzerten ein Röhrchen - in der Fachsprache "Bottleneck" genannt - über seine Finger, flitzt damit über den Hals seiner Gitarre und der Blues weint in den hellsten Tönen. Ob akustisch oder stählern - vor dem geistigen Auge der Zuhörer werden bei seinen Konzerten Geschichten lebendig, wie sie das Leben einst schrieb, und die von legendären Künstlern wie Robert Johnson, Mississippi John Hurt oder Muddy Waters vor fast 100 Jahren niedergeschrieben wurden.

Es ist nicht die heile Welt, die von Kalb besungen wird: Hinterhof- und Gossenlyrik, Mörderballaden, Drogenstorys und Eifersuchtsdramen bilden sein Konzertprogramm. Inbrünstig und mit dunklem Timbre besingt der Franke die Schattenseiten des Lebens. Kalb weiß bei seinen Konzerten viel zu erzählen über den guten, alten Blues, denn er ist ein viel belesener Blueskenner, der 2006 in New York die beiden Bluesveteranen Honeyboy Edwards und Robert Lockwood jr. besucht hatte. stö