Zum Artikel "Ein Glücksgriff oder doch zu teuer?" (BR vom 19. November) wird uns geschrieben: Nun hat unser OB mit dem Spartan Race eine sportliche Großveranstaltung an Land gezogen. Außer in Kulmbach gab es diese Veranstaltung in Deutschland nur in München und Berlin. Kulmbach mit München und Berlin auf Augenhöhe. Toll.  Der nächste Coup unseres OB wird wohl sein, dass er die Olympiade nach Kulmbach holt, denn auch die war bisher in München und Berlin.

Merkwürdig nur, dass manche Großstädte keine sportliche Großveranstaltung mehr wollen. Das Kitzbühler Land ist begeistert vom Spartan Race. Das verstehe ich gut, denn dort ist im Winter Hochsaison, im Sommer dagegen und außerhalb der Ferien sind die Betten und Gasthäuser nur schwach belegt. Ich denke mal, dass das Kitzbühler Land auch viel, viel mehr Betten- und Restaurantkapazitäten hat.

Ganz anders in Kulmbach. Hochsaison ist bei uns von Mai bis Oktober. Im gesamten Landkreis gibt es 2000 Gästebetten, viele in Doppelzimmern. Sie werden aber von vielen Spartanern nur einzeln genutzt. Die normale Auslastung bei uns im Landkreis und in der Stadt liegt im Juni bei 35 Prozent. Da wäre also für circa 600 Personen noch Platz. Wo wollen die vielen Teilnehmer aus dem In - und Ausland schlafen? Da fallen mir nur noch der Wohnmobilstellplatz und der Campingplatz in Stadtsteinach ein.  Noch drastischer wird das Bild, wenn wir die Gastronomie anschauen. Selbst an einem normalen Wochenende ist es in Kulmbacher Restaurants schwierig, einen Tisch zu bekommen.

Grundsätzlich ist es ja sehr lobenswert, Veranstaltungen nach Kulmbach zu holen und für die Stadt zu werben, aber doch mit Verstand und Augenmaß. Unvergessen bleibt uns das Desaster beim Kulmbach-Jubiläum.  Damals bekamen an einem heißen Sommertag viele Gäste nichts zu essen und zu trinken in der Stadt. Das war Negativwerbung für Jahrzehnte.

Während mich das alles nur sehr wundert, gibt es doch Dinge, die mich dann richtig ärgern. Da sind zum Beispiel die Oldtimerfreunde Kulmbach, die Jahr für Jahr etliche Gäste für ein Wochenende im Juni nach Kulmbach eingeladen haben. Dafür hatte die Stadt kein Geld übrig. Hat jemand gefragt, ob ein Kulmbacher Verein seinen Termin am Spartan-Race-Wochenende hat? Das interessiert nicht. Warum mit Kleinigkeiten abgeben?

Ja, in Kulmbach denkt man groß, größer, gigantisch. Auch wer als Kulmbacher Geschäftsmann ein Anliegen hat, kann von der Stadtverwaltung kein Verständnis erwarten. Da heißt es dann lapidar: Das ist Einzelinteresse. Wenn die Leute am 20. Juni nichts zu essen und trinken bekommen, werde ich singen: Hol Wasser, oh Henry.

Ludwig Schmidt

Kulmbach