Ein Blonder schlägt einen Purzelbaum im orangefarbenen Raum. Ein Mädchen mit kurzen Haaren kauert zwischen abstrakten Flächen. Auf dem linken Bild, das ist Simon, auf dem rechten Karen Jacobs, die Malerin selbst.

Gefühle manifestiert

Die beiden Aquarelle "Simon in der Galerie Douglas" und "KRN in der Galerie Douglas" halten einen Bildanlass fest: Enttäuschung. Sie manifestieren die Gefühle der beiden Protagonisten, die eine Prüfung an der Akademie der Bildenden Künste nicht bestanden haben.

Die Reaktion auf die Uni wird wieder eingespeist in die Uni. Für Karen Jacobs geht es beim Malen auch darum, etwas festzuhalten. "Es ist wie ein Denken in Bildern", sagt sie im Rahmen des Künstlergesprächs im Kesselhaus, wo momentan vier ihrer Bilder hängen.

Die Ausstellung "Manche haben noch nicht einmal Stifte" zeigt Arbeiten von zehn jungen Künstlern, Kunststudierenden aus Klasse Hakimi an der Akademie der bildenden Künste Nürnberg. Sieben von ihnen sind am Dienstag noch einmal nach Bamberg gekommen, um über ihre Arbeit zu sprechen.

Die eingangs beschriebenen Bilder sind ein gutes Beispiel, wie eine solche Veranstaltung dazu beitragen kann, beim Betrachten zu helfen. Ähnlich Julia Himmelhubers titelloses Stück Stoff an der fleckigen Wand des Kesselhauses. Himmelhuber hat sich dem Ort anders genähert als ihre Kommilitoninnen, weil sie ohnehin meist mit ähnlichen Strukturen arbeite, die hier gegeben sind. "Die Wände sind schon malerisch." Aufgrund dessen verschwindet ihre Arbeit fast vor dem Hintergrund.

Grundsätzliches Gespräch

Der Kontext aller Arbeiten zusammen, lässt im Idealfall Fragen aufkommen. Warum kein Titel? Himmelhuber: "Ein Bild kann in der Wahrnehmung jeder Betrachterin einen eigenen Film entwickeln. Ein Titel gibt etwas vor, das möchte ich nicht."

Darüber hinaus wird das Gespräch, das hat das Sprechen über bildende Kunst so an sich, oft wahnsinnig grundsätzlich. Was nichts Negatives heißen muss. Wo fängt Kunst an? Was ist überhaupt ein Bild? Muss man beim Malen auch an einen Betrachter denken?

"Ich behaupte", sagt Fabian Bertelshofer, "mir ist das erstmal egal. Ich verstehe ja oft genug selbst nicht, was ich tue und das ist der Grund, warum ich es tue." Dass Betrachter angesichts sehr konzeptioneller, schwer zugänglicher Werke erstmal verunsichert sind, sei ja nichts Schlechtes. Kuratorin Notburga Karl hadert in diesem Zusammenhang schön, es gebe leider kein "intellektuelles Sichtreibenlassen."

Die Akademie betrachten die Studierenden als eine Art Labor, ein geschützter Ort, in dem man sich ausprobieren kann. Denn klar ist ihnen bewusst, dass es keinen oder ganz wenigen gelingen wird, sich am Kunstmarkt finanziell über Wasser zu halten. Oft werde man gefragt: "Was machen sie denn danach?", erzählt Bertelshofer: "Ja, an der Kasse im Biomarkt arbeiten natürlich." Dort entstehe dann, nach der Konkurrenz um Noten, Stipendien und Ausstellungsflächen, der eigentliche Wettbewerbsdruck. Bertelshofers Arbeit zitiert die Ästhetik der bekannten Marshall-Verstärker, die man von Rockkonzerten her kennt.

Die Beschriftung allerdings unterscheidet sich: "Fuck work", steht da und auch: "School sucks."