Zur Berichterstattung über die Abschiebung von Hossein K. und zum Kommentar "Jeder Fall ein Einzelfall" (BR vom 17. Januar) wird uns geschrieben: Seit vielen Jahren bin ich mit der Integration von Flüchtlingen befasst, in der Mehrzahl sind es Christen aus dem Iran. Zu der Zeit, als das gesamte Ausländerrecht noch im Landratsamt Kulmbach war, gab und gibt es bis heute  ein gutes, menschliches Miteinander mit freundlichem und kompetentem Personal. Seit der Installierung der Zentralen Ausländerbehörde (ZAB) in Bayreuth Ende Januar 2016 hat sich alles grundlegend geändert.

Eine völlig neue Institution wurde geschaffen. Ein Sprichwort sagt: "Neue Besen kehren gut!" Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Aber dass dies gar nicht lustig ist, zeigt auch der Fall von Hossein, den ich inhaltlich kenne, aber nicht weiter bewerte. Mir geht es um das Verhalten der ZAB, um das Verfahren an sich und die wohl richtige Aussage: Jeder "Fall" ist, das sollten wir nicht vergessen, ein Mensch! In diesem Asylverfahrenssystem gerät diese Aussage völlig in den Hintergrund. Es fehlt die Menschlichkeit vonseiten der Verantwortlichen der ZAB.

Hier wird Verwaltungsbeamten Verantwortung übertragen, um Herr über Leben und Tod zu sein. Es ging um zwei Tage, um das Gericht entscheiden zu lassen. Man beachte, mit welcher Vehemenz die Verantwortlichen der ZAB ihr vermeintliches Recht bei Gericht durchzusetzen versuchten. Da stockt einem der Atem.

Was sind das für Menschen, für die andere Menschen nicht mehr sind als ein Stück Papier? Was sind das für Menschen, die, um sich selbst nicht mehr ansprechen lassen  zu müssen, einen Pressesprecher brauchen, um die Sache ganz lapidar für rechtens zu erklären?

Natürlich war sie nach den Buchstaben des Gesetzes rechtens. Eine sehr dünne Rechtsgrundlage, die die Rechtsfolgen (mögliche Lebensgefahr für den Betroffenen) völlig außer acht ließ. Ganz anders dagegen die weisen Entscheidungen von Amts- und Landgericht.

Zum wiederholten Mal sind die Verantwortlichen der ZAB mit dieser Rechtsgrundlage (zu Recht) gescheitert.

Gott sei es gedankt, dass es nicht zur Abschiebung kam. Ja, es gibt noch Wunder Gottes - auch wenn mancher nicht daran glauben mag. Aber die nächsten Fälle stehen an.

Asylmissbrauch? Ja, den gibt es zuhauf. Doch kann das Verwaltungsgericht bei allein aufs Christentum bezogenen Fragen feststellen, wer Christ ist? Ein Taufschein allein kann es nicht sein und erlerntes Wissen macht noch lange keinen Glauben aus. Aber auf den Glauben kommt es an, und der wird doch erst durchs Praktizieren sicht- und erfahrbar. Wer kennt einen Menschen besser als der, der ihn längere Zeit, vielleicht jahrelang begleitet? Doch nicht der (die ) Entscheider(in) beim BAMF, auch nicht Bürokraten von der ZAB. Es ist und bleibt der (die) Integrationshelfer(in)!

Ein Straftäter vor dem Amtsgericht ist klar im Vorteil. Da werden Zeugen befragt und ins Verfahren miteinbezogen. Beim Verwaltungsgericht habe ich das noch nicht erlebt. Schade! Warum nicht auch dort "In dubio pro reo" für einen Christen?

Helmut Dörfler

Kulmbach