40 Jahre Prunksitzungen in Scheßlitz, darauf sind sie schon mächtig stolz, die Schäätzer Faschingsnarren. Unter der Regie von Franz Bäumel hatte 1976 nach der Eingemeindung alles begonnen. Im Jubiläumsjahr regierte als neuer Sitzungspräsident bei den zwei ausverkauften Prunksitzungen der Vorsitzende der "Scheßlitzer Vereine e.V." und 2. Bürgermeister Reinhold Söder (CSU).

Dann aber fegten schon die Tänzerinnen von Dream'n Dance über die Bühne und zeigten mit ihrem Gardemarsch sofort ihr Talent. Beim Showtanz "Reise durch die Musikgeschichte" präsentierten sie die von Tanja Fuchs und Cornelia Zeck einstudierten Tänze.

Auch die von Christine Goppert trainierte Tanzsportgarde glänzte. Eine Augenweide, wie die Mädchen auch die schwierigen Passagen bei ihrer choreographischen Reise quer durch Amerika anscheinend mühelos meisterten. Letztes Jahr hatten die Mädels den dritten Platz bei den Deutschen Meisterschaften errungen.

Mit Trommeln und Pauken begrüßten die "Rap Top" unter der Leitung von Birgit Wurdack zum Jubiläum ihre Verehrer. Als einziger schwarz eingefärbter Mann durfte sie Robert Schwarzmann auf der Trommel begleiten. Ihr immer wiederkehrender Rap: "Die Prunksitzung wird vierzig!" Auch beim Schäätzer Faschingslied mit den neuen Vorsängern Christina und Alexander Betz tauten die maskierten Besucher auf.

Mit Klaus Buck, alias Hucky stieg wieder ein bekannter Barde in die Bütt. Nicht nur in der Weltpolitik, auch in Schäätz laufe viel schief: Im Schießgraben reihe sich ein Schlagloch ans andere. Seine Zugabe befasste sich mit seinem Zustand, wenn er mit fünf Maß oder mehr aus der Kronna komme.

Mit solchen Schwierigkeiten hatten die Funken- und Tanzmariechen Leonie Knauer, Alina Köhler, Madlen Hauptmann, Sarah Zenk und das Alpenrockduo Lea Kroack und Anne Ziegler keine Probleme. Mühelos, mit enormen Sprüngen begeisterten sie.

Giecher Bäcks Spargel-Leberkäs

Gespannt warteten viele nun schon auf die von Martin Dippold gemanagten Feuerwehrler. Plötzlich stürmte der Giecher Bäck auf die Bühne und pries alle seine Dutzend verschiedenen Leberkässorten an. Es tobte der Saal, besonders, als er den neuesten Spargel-Leberkäs ankündigte. Doch die Recken hatten in Scheßlitz auch manches zu monieren: keinen Metzger und keinen Bäcker mehr, immer noch keine Ampel an der Elisabethenkirche und nach 30 Jahren immer noch keine zweite Autobahnausfahrt. Das lasse sich nur mit Bier ertragen, von dem es in der Stadt Gott sei Dank noch einige Tankstellen gebe.

Gegen solch geballte Dramaturgie musste der frühere Sitzungspräsident und jetzige Bürgermeister Roland Kauper bei seiner Büttenrede ankämpfen. Er erzählte er von den vielen Köstlichkeiten, die er als Gratulant immer wieder bekomme und natürlich nicht verschmähe. Einziger Nachteil sei, dass sein Gewicht immer mehr zunehme. Dem versuche er durch Radfahren entgegenzusteuern, was aber mit dem E-Bike auch nicht so richtig klappe.

Auch Carmen Gries und Thomas Rauch gingen in ihrem Auftritt in die Vergangenheit zurück. Sie holten auf der Bühne ihre Hochzeitsreise nach. Gries kam später nochmals solo auf die Bühne und berichtete als "Alte Jungfer" aus ihrem Leben. Sogar "Deutsche Ehrenjungfrau" sei sie gewesen. Der Drache aus der Nibelungensage sei vom Berg von Kübelstein nach Scheßlitz runter gekommen, habe sich hier in der Stadt mit Jungfrauen vollgefressen, in Giech aber habe er sich die Zähne ausgebissen, berichtete sie und erntete eine Lachsalve. Wie sie Holger Dremel aber als Dieb von goldenen Löffeln und Gabeln entlarvte, um sich selbst zu retten, brachte selbst diesen in Erklärungsnöte.

Ein weiterer Höhepunkt war es, als Moni Dremel und Heike Ziegmann eine neue "Schäätzer Frauen Partei" (SFP) gründen wollten. Wie es in der Politik zugehe, wusste Moni zu berichten, da ihr Mann ja in München sei. Die beiden Neueinsteiger hatten allerdings mehr die Einkaufsstraßen der Landeshauptstadt im Visier. Ihre Forderung: "Wir brauchen in Schäätz eine Shoppingmeile wie die Maximilianstraße in München." In Scheßlitz müsse diese aber fusionieren mit einem Baumarkt - für die Männer. Weitere Forderungen: Hörgeräte für alle Männer, weil die ja nie zuhören; Valentinspflichtgeschenke; Thermomix für alle; und ein neuer Bahnhof für die Stadt. Dafür gab es donnernden Applaus.

Helden in Strumpfhosen

Auch die "Helden in Strumpfhosen" der Feuerwehr, trainiert von Nicole Landvogt-Domsz, wurden gefeiert. Während der erste Teil der Truppe mit ihren Gruppenübungen noch nicht so richtig überzeugte, wurde es mit dem Einzug der weiblichen Garde richtig spannend. Die Schnurrbärtchen unter den Perücken, das rotschimmernde Etwas unter den straffen Blusen, die Rundungen unter den Röcken: Vor allem die weiblichen Fans kamen voll auf ihre Kosten. Mit Elvis war ihr "Coca Cola Rock" ein Höhepunkte.

Mit Schunkelrunden begleiteten die Ellertaler Heimatklänge unter Dirigent Tobias Mager den fünfstündigen Abend musikalisch.Die Organisation hatte Robert Schwarzmann mit seinen Helfern hervorragend gemeistert.