bernhard Panzer

Es ist an der Zeit, dass die Menschen darüber sprechen. Das sagen zwei Mitarbeiter des Sachausschusses "Eine Welt-Tembladera" des katholischen Pfarreienverbundes Herzogenaurach. Sie meinen damit die aktuellen Entwicklungen in der Diskussion um Flüchtlinge und Asyl. "Wir müssen eine Diskussion auslösen, um die Sprachlosigkeit zu überwinden."
Konrad Eitel, der Streitbare, und Wolfgang Seitz, der Gemäßigte, sind sich einig. Sie wollen an die Öffentlichkeit gehen und die Bürger auffordern, sich dem Thema Asyl zu stellen. Freilich gebe es unterschiedliche Meinungen, sagt Eitel. Aber diese müsse man auch diskutieren. Gerade angesichts der ihrer Meinung nach erschreckenden Entwicklung in der Asyldebatte.
Im Herbst soll es eine Veranstaltungsreihe dazu geben. Der Seelsorgebereichsrat, also die katholische Kirche, wolle das unterstützen, sagt Seitz. Jetzt hoffen beide auf den Beginn eines Diskussionsprozesses in der Gemeinde. Denn "das vernünftige Gespräch ist wichtig", sagt Eitel.
Beide verdeutlichen im Pressegespräch, wie erschreckend für sie die Entwicklung geworden ist. Denn "die Sprache in der Asyldebatte ist populistisch", sagt Seitz. "Es gibt Dinge, wo man als christliche Gemeinde nicht länger zuschauen kann." Wenn jemand den ungarischen Staatschef Orban hofiert, der ein Antisemit und Antieuropäer sei, "der verschiebt Werte."
Und Konrad Eitel fordert deutlich auf: "Wir müssen die Sprache abrüsten." Der Sachausschuss schließt sich daher einem offenen Brief an, der vom Jesuitenpater Jörg Alt verfasst und an die Parteichefs der CSU gerichtet ist. Es sei noch nicht zu spät, den aktuellen Kurs zu korrigieren, heißt es darin.
In dem Brief, der auch vom Würzburger Hochschulpfarrer Burkhard Hose und Beatrice von Weizsäcker als Präsidiumsmitglied des evangelischen Kirchentages unterschrieben worden ist und laut Eitel schon 1600 Befürworter gefunden hat, geht es um "Kennzeichen christlicher und sozialer Politik." Die CSU wird aufgefordert, ihre Politik zu profilieren und sich damit von "Populisten und Vereinfachern" abzugrenzen.


Christliches Menschenbild

Die "politische Diskussion, die über uns schwebt, ist verheerend", beschriebt es Seitz. Es gebe zweierlei Möglichkeiten, die AfD zu bekämpfen. Entweder man stelle ein christliches Menschenbild dagegen oder man verfalle in deren Sprachduktus. Letzteres sei falsch und gefährlich. "Dann verschwinden die Werte". Ihm als Lehrer mache das Sorgen. "Woran sollen sich die Schüler dann festhalten?"
Wolfgang Seitz fasst die Arbeit des Sachausschusses zusammen. "Unser Blick richtet sich auch auf Flucht und Vertreibung", heißt es in einem Schreiben an den Seelsorgerat von St. Magdalena, St. Otto und St. Josef. In den Veranstaltungen will man beispielsweise Fluchtursachen aufzeigen und deren wirksame Bekämpfung anmahnen. Und weiter: "Die Errichtung von Abschiebezentren, Einschränkungen im Familiennachzug, Verweigerung von Arbeitserlaubnis stehen im Widerspruch zu unserem biblisch-christlichen Menschenbild." Diese Haltung wolle man in der Öffentlichkeit vertreten.
Und Konrad Eitel, ein Herzogenauracher SPD-Urgestein, macht auch vor der eigenen Partei nicht Halt. Auch die SPD lasse sich verschieben, und das mache ihn betroffen. Ebenso wie die "Sprachlosigkeit der örtlichen SPD." Vor allem müsse man dem Sprachduktus entgegentreten, der sich breit gemacht habe. Auch schon die einfache Aussage "Wir müssen unsere Grenzen schützen" rufe da bestimmte Interpretationen hervor. "Da denke ich an den kalten Krieg", sagt Eitel. Und an russische Panzerdivisionen. "Aber nicht an eine Gruppe Flüchtlinge vor Bad Reichenhall."