Auf breite Zustimmung stieß der Antrag von Stadtrat Matthias Thumser (fraktionslos), die Stadt möge sich mit dem Thema Biodiversität beschäftigen. In der jüngsten Sitzung des Bauausschusses erläuterte der Biologe Frank Reißenweber (Landratsamt Coburg), wie sich Biodiversität in der Praxis umsetzen lässt. Reißenweber machte dabei deutlich, dass der Begriff viel mehr beinhalte als Artenvielfalt. Für ihn ist die "Richtschnur" das Volksbegehren Artenvielfalt, das unter dem Namen "Rettet die Bienen" bekannt geworden ist. Um diese Vorgaben zu erreichen, gibt es nach Worten des Fachmanns viele Wege. "Ziel muss sein, nicht hinter dem Level zurückzubleiben, das der Staat vorgibt", betonte Reißenweber. Um hier weiterzukommen, hielt er es für notwendig, ein Ökokonzept zu erstellen, in dem unter anderem die Themen Biotopverbund, nutzungsfreier Wald, Reduzierung der Lichtverschmutzung und vor allem Beratung, Aus- und Fortbildung einfließen.

Dem Gremium nahm er sofort die Angst, bei dem Projekt von Null anfangen zu müssen. Die Kurstadt sei wie die anderen 16 Kreiskommunen Mitglied im Landschaftspflegeverband, der über ein detailliertes Hintergrundwissen verfüge. "Die Stadt könnte auch auf einen vorhandenen Personalbestand zurückgreifen", argumentierte Reißenweber. Und man dürfe die Förderkulisse nicht außer Acht lassen. Ein Ökokonzept könnte im Laufe des kommenden Jahres dem Stadtrat zur Abstimmung vorgelegt werden. Einstimmig beauftragte der Bau- und Umweltausschuss Frank Reißenweber mit der Ausarbeitung eines solchen Planes.

Anlass für eine Diskussion war der Antrag von Mattias Thumser, alle städtischen Bäume zu kartieren und bei schützenswerten Exemplaren eine Fällung nur nach einem positiven Votum durch den Stadtrat zu erlauben. Bürgermeister Tobias Ehrlicher (SPD) zeigte sich wenig erfreut über den Vorschlag, der seiner Meinung nach einer Baumschutzverordnung gleichkomme.

530 Hektar Stadtwald

Thumser betonte, dass es hier nicht um irgendwelche Bäume gehe, die in einem Garten stehen, sondern rein um städtische Bäume. Zweiter Bürgermeister Ernst-Wilhelm Geiling meinte hierzu: "Das ist aus dem Antrag so nicht herauszulesen." Christoph Herold (CSU) vertrat die Meinung, eine Kartierung sei sehr gut, allerdings widerstrebe ihm, dass jede geplante Baumfällung durch den Stadtrat abgesegnet werden soll. Bürgermeister Ehrlicher meinte, das Geld für eine Kartierung solle lieber in Pflege und Neuanpflanzung investiert werden. Kämmerer Michael Fischer gab zu bedenken, dass die Stadt über 530 Hektar Stadtwald verfügt. Die Anzahl der zu kartierenden Bäume würde sich dann im vierstelligen Bereich bewegen. Bei zwei Gegenstimmen wurde der Antrag abgelehnt.

Herold verteidigte seine Unterstützung zur Kartierung, indem er meinte, dass man angesichts der Verkehrssicherungspflicht auf öffentlichen Flächen derzeit "russisches Roulette" spiele. Dies wollte der Bürgermeister so nicht im Raum stehen lassen. Ohne Frage würden die städtischen Bäume sehr wohl durch Fachleute überprüft. Auf seinen Vorschlag hin kam das Gremium überein, die Kosten für die Kartierung von Bäumen auf öffentlichen Flächen zu ermitteln.

Matthias Thumser regte die Anlage eines "Familienwaldes" an. Einstimmig beschloss der Bauausschuss, diesen im Bereich des Kurparkes entstehen zu lassen. Allerdings bleibt es der Verwaltung vorbehalten, festzulegen, was wo gepflanzt werden darf. Pro Jahr soll es zwei Pflanztermine geben.

Auf Antrag der CSU, die sich einen barrierefreien Zugang zum Gemeindehaus Heldritt wünscht, beauftragte der Bausenat die Verwaltung, Kosten und Möglichkeiten nicht nur für den Zugang, sondern auch für eine behindertengerechte Toilette zu ermitteln.

"Am Schäßbach" ist's heller

Geändert wurde auf Anregung aus der Bevölkerung die Straßenbeleuchtung "Am Schäßbach" in Heldritt. Bei einer Ortsbesichtigung überzeugte sich der Bauausschuss von der Verbesserung. Der Fußweg im Bereich der Melchior-Franck-Straße verfügt über keine Beleuchtung. Auf diesen Umstand wurde die Stadt aufmerksam gemacht. Bei einem Vororttermin machten sich die Mitglieder des Bausenats ein Bild von den Gegebenheiten. Das weitere Vorgehen soll noch besprochen werden. mr