Mehr als zwei Stunden hatte sich die Bamberger Erfolgsautorin Tanja Kinkel Zeit genommen, um suchterkrankten jungen Frauen in der Laufer Mühle über ihre Arbeit als Autorin einer Vielzahl von historischen Romanen, darunter ihr bislang erfolgreichstes Buch, "Die Puppenspieler" und der soeben erschienene historische Kriminalroman, "Grimms Morde", zu berichten.
Kinkel folgte damit einer Einladung von Laufer-Mühle-Geschäftsführer Michael Thiem, um zum einen die Arbeit der Mühle kennenzulernen, zum anderen, um Erfahrungen über ihr Engagement für sozial benachteiligte, vielfach mittelbar oder unmittelbar von Sucht betroffene Kinder und Heranwachsende in Deutschland, Afrika und dem indischen Subkontinent auszutauschen.
Ein Filmbeitrag des Magazins "mehr/wert" des Bayerischen Rundfunks, "Wege aus der Sucht", führte die Schriftstellerin zunächst in das therapeutische Angebot und den Arbeitsalltag der Mühle ein. Drei Bewohnerinnen berichteten dann selbstkritisch und offen über ihre jeweils individuellen Wege in die Sucht sowie über ihre Hoffnungen für die Zeit nach einer erfolgreich abgeschlossenen Therapie. Ungeordnete Familienverhältnisse, fehlende Lösungskompetenz bei der Bewältigung innerer und äußerer Konflikte, aber auch Neugier und ein falsches soziales Umfeld bilden die Gemeinsamkeit in den Suchtkarrieren der drei jungen Frauen. Eine Erfahrung, die auch Kinkel aus der Arbeit für ihre Schützlinge u.a. im Erich-Kästner-Kinderdorf (Oberschwarzach) kennt.
"Mein Ziel ist es, glücklich zu werden!" - eine Ausbildung zu machen und meinen Kindern, die bei Pflegeeltern leben, eine gute Mutter zu sein, so beschreibt die 33-jährige I., die bereits einige Therapieversuche erfolglos hinter sich gebracht hat, ihre Vorstellungen für die Zukunft. In der Laufer Mühle hat sie das erste Mal das Gefühl, an einem Ort zu sein, der sie zur Erfüllung dieses Wunsches führen kann. Der familiäre Umgang miteinander und die Chance, sich auch beruflich weiterentwickeln zu können, lässt I. mit Zuversicht in die Zukunft blicken.


Gegen innere Widerstände

Innere Widerstände zu überwinden bilde auch einen Teil von Kinkels Arbeit, so die Autorin, nachdem Sie gebeten worden war, einen Einblick in ihr schriftstellerisches Wirken zu gewähren. In der Regel benötige sie bis zu drei Jahre Zeit, um einen neuen Roman fertigzustellen. Die meiste Zeit verbringe sie dabei mit der Recherche - dazu gehörten das Studium historischer Quellen und, im Hinblick auf eine authentische Szenerie, das Aufsuchen möglicher "Spielorte" genauso wie Gespräche und Interviews mit Fachleuten.
Der eigentliche Schreibprozess benötige dann mit rund einem halben Jahr einen vergleichsweise kurzen Zeitraum, bei dem die Autorin von morgens bis abends schreibe. Der schwierigste Teil jedoch, so Kinkel, sei die abschließende Arbeit mit ihrer Lektorin bzw. ihrem Lektor. Grundlage dafür sei neben einem guten Vertrauensverhältnis auch die Überwindung innerer Widerstände, um konstruktive Kritik in erfolgreiche Arbeit umsetzen zu können.
Das Ergebnis dieses Schaffensprozesses übergab Kinkel dann auch in Form einer Auswahl aus ihren Romanen - darunter "Manduchai, die letzte Kriegerkönigin", "Die Löwin von Aquitanien", "Venus Wurf" und "Die Söhne der Wölfin" - der Laufer Mühler. red