Martin Schweiger Ein ungewöhnlicher Verkehrsunfall mit Fahrerflucht beschäftigte das Amtsgericht in Haßfurt. Das Verfahren wurde ausgesetzt.

Am Abend des 25. März dieses Jahres fuhr ein Autofahrer mit seinem Fiat von Breitbrunn in Richtung Ebelsbach. In einer Rechtskurve kam er auf die Gegenfahrbahn. Um nicht mit einem entgegenkommenden Auto zu kollidieren, steuerte er stark nach rechts und landete im Straßengraben, wo sein Auto auf der rechten Fahrzeugseite liegen blieb. Der Fahrer des entgegenkommenden Wagens brachte den Verunglückten, der sich nur eine Schürfwunde am Arm zugezogen hatte, in die nächste Ortschaft und verständigte dann die Polizei, da er Alkoholgeruch wahrgenommen hatte. Eine Blutprobe ergab einen Alkoholwert von 1,46 Promille im Blut des Unfallfahrers sowie einen THC-Gehalt (Cannabis) von zehn Nanogramm pro Milliliter.

Jetzt musste sich der mutmaßliche Unfallfahrer wegen Trunkenheit im Verkehr, Straßenverkehrsgefährdung, Fahrens ohne Fahrerlaubnis und Unfallflucht am Amtsgericht verantworten, weil er gegen den Strafbefehl Einspruch eingelegt hatte. Seine Verteidigung am Amtsgericht fiel kurz aus: "Ich war's nicht", gab er zu Protokoll und bot eine Blutprobe an, um seine Unschuld zu beweisen.

Seine Schwester - die Halterin des Wagens - machte vor Gericht von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht als nahe Angehörige Gebrauch. Einer der ermittelnden Polizeibeamten gab an, dass der Fahrer des entgegenkommenden Wagens den Unfallfahrer beschrieben hatte. Als die Beamten an der Stelle ankamen, wo der Unfallfahrer abgesetzt wurde, kam ein Mann aus einem Haus, auf den die Beschreibung hervorragend passte und der auch eine Schürfwunde am Arm hatte. Der Mann habe zunächst die Unfallfahrt abgestritten, sie dann aber zugegeben, so die Polizei. Ob der Mann auf der Anklagebank der damals festgenommene Mann ist, konnte der Polizeibeamte nicht mit absoluter Sicherheit sagen. "Zu 90 Prozent ja", sagte der Polizist im Zeugenstand.

Unsicherheit

Völlig anders in Erinnerung hatte ihn eine Zeugin, die als Beifahrerin im entgegenkommenden Auto saß. Er sei stärker und kleiner gewesen, habe keine Haare auf dem Kopf und ein Tattoo am Arm gehabt. "Ich dachte, ich bin hier im falschen Verfahren", sagte die 22-Jährige im Zeugenstand.

Auch der Fahrer des entgegenkommenden Autos war sich vor Gericht nicht mehr sicher, ob der Angeklagte tatsächlich der damals Verunglückte war. Er habe ihn kräftiger, mit weniger Haaren und kleiner in Erinnerung - zirka 170 bis 175 Zentimeter groß. Der Angeklagte wies darauf hin, dass er fast 190 Zentimeter groß sei und weder Tattoos noch Narben von einer Schürfwunde am Arm habe.

Blutprobe soll Klarheit bringen

Die Richterin Ilona Conver vermutete, dass sich die festgenommene Person mit dem Namen des Angeklagten ausgab. "Irgendwer muss ja gefahren sein. Es gibt ja kein Phantom", meinte sie. Eine Blutprobe soll nun klären, ob der Angeklagte unschuldig ist. Die Hauptverhandlung wurde daher ausgesetzt.