Eine Überfallserie auf Geschäfte, Lebensmitteldiscounter und eine Tankstelle im Raum Kronach und Coburg hielt im vergangenen Jahr die Polizei in Atem. Wegen räuberischer Erpressung in fünf Fällen muss sich nun ein 31-jähriger Mann aus Thüringen vor der Ersten großen Strafkammer am Landgericht Coburg verantworten. Die Verhandlung wurde am Montag mit Zeugenvernehmungen fortgesetzt.
Verteidiger Andreas Kittel ließ zu Beginn der Verhandlung eine sichergestellte rote Jacke und einen Rucksack bringen. Die Jacke soll auf einem Überwachungsvideo zu sehen sein. Das Gesicht des Mannes ist nicht zu erkennen, aber eben eine solche rote Bomberjacke. Es ging Richter Gillot darum, ob es sich dabei die Arbeitskleidung des Angeklagten handeln könnte. Dies verneinte eine Zeugin, die bei dem ehemaligen Arbeitgeber des Angeklagten beschäftigt ist. "Es ist nicht die Kleidung, die wir an unsere Mitarbeiter ausgeben."
Die Verkäuferin, die in dem Schuhhaus in Neustadt arbeitete, das im Mai 2017 überfallen wurde, leidet an posttraumatischer Belastungsstörung. Da sie dem mutmaßlichen Täter nicht gegenübertreten konnte, wurde sie in einem anderen Zimmer vernommen. Wie sie aussagte, habe sie das Gesicht des Mannes nicht erkennen können. Als sie kassieren wollte, habe er eine Waffe gezogen, Geld gefordert und sei anschließend mit dem Bargeld im Rucksack geflohen. Bei dem entwendeten Rucksack handele es sich um eine Eigenmarke des Schuhhauses.
Einen solchen Rucksack wiederum stellte die Polizei bei einer Hausdurchsuchung in der Wohnung einer Freundin des Angeklagten sicher. Dies lässt Kittel nicht als Indiz gelten. "Es macht keinen Sinn, das mein Mandant den Rucksack sechs Wochen verborgen hält, um ihn dann seiner Freundin zu schenken." Der Angeklagte habe den Rucksack vielmehr kurz vorher gekauft. Laut Kittel wurden solche Rucksäcke im Tatzeitraum in vielen Filialen des Schuhhauses, auch in Kronach oder Lichtenfels verkauft.
Die Verhandlung wird Mittwoch fortgesetzt. ga