Theresa schiffl Vom Arzt aus geht es für viele Patienten gleich zur Apotheke, um die verschriebenen Medikamente abzuholen. Immer wieder müssen Apotheker bei manchen Rezepten sagen: "Das ist momentan nicht lieferbar." Gerade bei solchen Medikamenten, die regelmäßig eingenommen werden müssen, sind Betroffene schnell beunruhigt und verunsichert. Wie entstehen solche Lieferengpässe? Woran liegt das? Und vor allem: Wie geht man als Patient damit um und was müsste sich ändern? 1. Ein Grund ist, dass die Krankenkassen Geld sparen wollen, heißt es in der Broschüre zur Lieferengpass-Kampagne 2020 der Noweda Apothekergenossenschaft. Jedes Jahr werden von den Krankenversicherungen Wirkstoffe ausgeschrieben. Den Zuschlag bekommen die Unternehmen mit dem günstigsten Preis. Andere hingegen müssen dann aus wirtschaftlichen Gründen aus der Produktion aussteigen. Dadurch können Engpässe, die aufgrund von Ausfällen entstehen, nicht mehr aufgefangen werden. Durch Rabattverträge wurden laut der Genossenschaft im Jahr 2018 4,4 Milliarden Euro eingespart.

Vedrana Romanovic, Pressesprecherin bei der AOK Bayern erklärt: "Rabattverträge sind unserer Ansicht nach nicht die Ursache für Lieferengpässe. Lieferengpässe betreffen auch den Klinikbereich, wo es keine Rabattverträge gibt." Denn durch die Rabattverträge könnten Hersteller besser planen und kalkulieren und somit eine Versorgung über einen längeren Zeitraum gewährleisten. 2. "Ein weiteres Problem ist die Just-in-time-Produktion", erklärt Apotheker Rudolf Harrer von der Paracelsus Apotheke in Höchstadt. Viele Pharmaunternehmen haben keine Lager mehr und produzieren nur, wenn der Bedarf steigt. Das führt ebenfalls dazu, dass Medikamentenausfälle nur schwer aufgefangen werden können. 3. Lieferengpässe entstehen unter anderem, da Wirkstoffe aus Kostengründen inzwischen weitestgehend im Ausland hergestellt werden. Fällt dort eine Produktion aus oder wird eine Lieferung beim Zoll beschlagnahmt, führt das zu Medikamentenengpässen.

Aber nicht nur für die Betroffenen ist dieses Problem ein Ärgernis. Apotheker Rudolf Harrer erklärt, wie die Paracelsus Apotheke solchen Engpässen entgegenwirkt: "Wir achten darauf, dass unser Lager immer gut gefüllt ist." Wenn es möglich ist, werden mehr Medikamente bestellt. "Langfristig sollte die Produktion wieder in Europa stattfinden." Ansonsten hat die Apotheke nur die Möglichkeit, ein wirkstoffgleiches Präparat zu beschaffen, die Dosierung mit unterschiedlichen Stärken auszugleichen oder den Arzt wegen eines neuen Rezeptes für einen anderen Wirkstoff zu kontaktieren. Und natürlich das persönliche Beratungsgespräch mit den Kunden.

Umstellung kann schwierig sein

Auch Dr. Roland Maeumbaed, Haus- und Notarzt in Höchstadt, sieht Engpässe von Medikamenten als durchaus problematisch: "Original-Präparate sind meistens verfügbar, aber viel teurer. Das kann man den Patienten nicht zumuten." Eine Möglichkeit sei dann, dass Medikamente von anderen Herstellern verwendet werden. "Wenn es aus der gleichen Substanz ist, ist es kein Problem."

Dennoch gebe es Medikamente bei denen es größere Schwierigkeiten bei einem Wechsel gibt, dazu gehören zum Beispiel Schilddrüsenmedikamente, Antiepileptika oder Marcumar. Zudem sei es nicht einfach, wenn auf ältere Medikamente zurück gegriffen werden muss. "Meistens haben die stärkere Nebenwirkungen, als neuere Präparate", erklärt Maeumbaed. Ein Problem der Umstellung: Wenn sich die Optik einer Tablette in Form oder Farbe ändert, führt das bei vielen Patienten zur Verunsicherung und sie nehmen die Medikamente nicht ein.

"Außerdem werden die Beipackzettel öfters genauer gelesen. Aufgrund der Nebenwirkungen nehmen auch viele nicht ihre Tabletten." Wichtig sei, wie bereits Rudolf Harrer sagte, dass genügend Vorräte vorhanden sind. "Auch der Gesetzgeber muss eingreifen. Sinnvoll wäre auch die Produktion wieder mehr in heimische Regionen verlagert wird." Bei Notfallmedikamenten sei es sogar noch problematischer, weiß Maeumbaed von seiner Arbeits als Notarzt.