Mit Zitaten von Jean Paul - "Der Zank in der Ehe ist die Schneedecke, unter der sich die Liebe warm hält" und "Heiraten in der Jugend heißt, sich im Sommer einen Ofen mieten; erst im Winter weiß man, ob er heizt oder raucht" - begrüßte Krystyna Hurec-Diaczyszyn im Rahmen der 26. Literarischen Matinee in der Galerie des Kronacher Kunstvereins die Zuhörer und Karl-Heinz Heppt, der das Buch "Siebenkäs" von Jean Paul vorstellte.

Bevor dieser in die Handlung des Buches um Ehestand, Tod und Hochzeit des Armenadvokaten Siebenkäs einstieg, machte er die Zuhörer mit Leben und Schaffen des 1763 in Wunsiedel ("Wonnsiedel") geborenen Schriftstellers bekannt. Er las Passagen aus dessen Autobiografie vor, in der dieser ironisch seine Geburt und seine Neugierde auf sein weiteres Leben beschreibt. An dieser Stelle war schon der Schreibstil Jean Pauls erkennbar, der versponnen und originell zu einer langsamen Lesart zwingt.

Sonderling der Literatur

Jean Paul veröffentlichte 21 Bücher zu den Themen Philosophie, Erziehung und Psychologie und war ein Sonderling der Literatur, der mit dem Roman "Siebenkäs" einen der wichtigsten Romane des ausgehenden 18. Jahrhunderts schrieb. Seinen Durchbruch hatte er mit "Hesperus (Abendstern) oder Hundsposttage", der nach Goethes "Werther" das meistgelesene Buch seiner Zeit war.

Bemerkenswert war die sehr lebendige, pointierte Vortragsart von Heppt, der es verstand, den Zuhörern den durchaus schwierigen Schreibstil Jean Pauls näherzubringen. So erfuhren sie auch, dass Jean Paul in seinem Roman "Siebenkäs" zum ersten Mal in der Weltliteratur ein Alter Ego eingeführt hatte und das Buch der erste deutsche Eheroman war.

Besonders interessant waren die sorgfältig ausgesuchten Textbeispiele und Wortfetzen, die Jean Paul als einen Sprachmagier erkennen ließen, etwa "Gedankenschlägereien in seinem Kopf", "Nebelbank des Lebens", "Worttrommelsucht" oder "Fieberpuls der Seele".

Die Zeit verstreicht langsamer

Noch heute verwenden wir Zitate und Aphorismen Jean Pauls; bemerkenswert sind seine im heutigen Sprachgebrauch selbstverständlich benutzten Wortschöpfungen wie "Gänsefüßchen", "Flegeljahre" oder "Weltschmerz".

Johann Paul Friedrich Richter starb 1825 in Bayreuth und wurde auch dort begraben.

Zum Abschluss seiner Vorstellung des Schriftstellers Jean Paul führte Karl-Heinz Heppt noch Gründe an, warum man diesen außergewöhnlichen Autoren lesen sollte. Demnach war dieser ein kreativer Wortschöpfer mit ungewöhnlichen Bildern und Wortkombinationen; und bei der Lektüre seiner Bücher verliert der Leser nicht Zeit, sondern gewinnt sie, weil die Zeit sich während der Lektüre verlangsamt. red