Es ist schon etwas ganz Besonderes: die alljährliche Schwedenprozession in der Jurastadt an "Mariä Himmelfahrt". Über viele Generationen und 383 Jahre hinweg wird hier ein Brauchtum weitergetragen.

Der Anlass ist der Abzug der schwedischen Soldaten, welche Weismain im 30-jährigen Krieg belagerten. Armut und Not wären noch schlimmer gewesen, wenn plündernde und raubschatzende Soldaten in und um der Stadt gewesen wären. So mutete es wie ein Wunder an, als die Besatzer damals fluchtartig die Stadt räumten.

Die Weismainer Schwedenprozession geht auf ein Gelübde zurück. Der damalige Glaubenskrieg zwischen Katholiken und Protestanten war gerade am Obermain durch den Einfall der Schweden sehr stark spürbar. Nachdem es der schwedischen Armee nach mehrtägiger Belagerung der Stadt Weismain gelungen war, bei der Stadtmühle am 15. August 1634 eine Bresche in die Mauer zu schießen, soll an dieser Stelle plötzlich die Muttergottes auf der Stadtmauer erschienen sein. Die Angreifer gaben erschrocken ihren Plan auf und liefen in wilder Flucht davon.

Zu Ehren der Muttergottes

Aus Dank soll die gerettete Bürgerschaft gelobt haben, der Himmelsmutter zu Ehren alljährlich eine feierliche Prozession um die Stadt zu veranstalten. Abgesehen davon, ob es sich nun um Belagerer oder Besatzer handelte - hier sind die historischen Quellen nicht eindeutig - gibt es auch zwei andere nachvollziehbarere Gründe, warum die Schweden das Interesse an der Jurastadt verloren: So könnte den Abzug die am 6. September 1634 ausgetragene Entscheidungsschlacht bei Nördlingen auch verursacht haben, da die schwedischen Truppen dort benötigt wurden. Möglich könnte auch gewesen sein, dass nach langem Warten auf Hilfe von kaiserlichen Truppen die einfallsreichen Bürger im August 1634 kurzerhand selbst in die Rolle von kaiserlichen Soldaten geschlüpft sind. Mit Dreschflegeln, Mistgabeln und Sensen bewaffnet marschierten sie einer Sage nach mit viel Getöse um den Kalkberg herum und wieder auf die Stadt zu. Die auf der gegenüberliegenden Talseite am Kordigast lagernden Schwedentruppen hielten die Ankömmlinge für die Armee des Kaisers und zogen fluchtartig ab. Jedenfalls für die Weismainer war eine lange Zeit des Leides der Belagerung vorbei.

Die Frömmigkeit der Weismainer ließ sie an ein Wunder glauben. Aus Dankbarkeit wird nun mit der Prozession dieser Zeit gedacht. Und es war auch in diesem Jahr ein außergewöhnliches Spektakel. Über 250 Beteiligte zogen in einem imposanten Zug betend und singend durch die historische Altstadt.