Zwei Delegationen reisten in den vergangen Wochen nach Zubza im indischen Nagaland. Die Partnerschaft mit dem 7500 Kilometer entfernten Dorf im Norden Indiens besteht mittlerweile schon mehr als zwölf Jahre. Entstanden ist sie durch Grundschüler aus Weisendorf, die Gleichaltrige unterstützen wollten. Im Lauf der Jahre festigte sich die Beziehung, vor einigen Jahren wurde eine neue Schule gebaut und eine Schulpartnerschaft mit der Weisendorfer Schule gegründet.

Beide Reisegruppen besuchten jetzt diese Schule, drei Jahre nach dem ersten Besuch. Bei der ersten Delegation war Weisendorfs Bürgermeister Heinrich Süß (UWG) dabei. Der zweite Besuch, der noch andauert, findet anlässlich des 50. Jubiläums der Pfarrei St. Maria Goretti statt. Bischof Thoppil weilte bereits im Mai mehrere Tage im Seebachgrund.

Die aktuelle Zubza-Delegation wurde vom neuen leitenden Pfarrer und Rektor, Pater Joseph Nellisseril, bereits am Flughafen in Dimapur empfangen. Mit zwei Jeeps ging es dann auf löchrigen und nahezu unpassierbaren Straßen über zweieinhalb Stunden nach Sechü-Zubza.

Die Weisendorfer Gruppe will sich unter anderem über die in den letzten zwei Jahren abgeschlossenen Projekte informieren. Ein Höhepunkt wird der Besuch des Hornbillfestes sein, des größten nordostindischen Kulturfestes, an dem 16 Stämme teilnehmen und ihre Kultur vorstellen.

Einen Reisebericht vom ersten Aufenthalt verfasste Delegationsteilnehmer Heinrich Schmidt. Auch diese fünfköpfige Gruppe wurde am Flughafen in Dimapur empfangen. Dort wartete Hans Rupprecht auf die Gäste, ein pensionierter Berufssoldat aus der Oberpfalz. Er unterstützte in seinen mittlerweile vier mehrmonatigen Aufenthalten bei diversen Baumaßnahmen in der Schule mit Rat und Tat, berichtet Schmidt. Nach endlosen fünf Stunden Holperpiste kamen die Reisenden "hundemüde, aber glücklich" in der Schule an. Schmidt schreibt: "Die fröhlichen Lieder, die leuchtenden Augen und die strahlenden Gesichter der 46 Internatsjungen ließen die Müdigkeit in den Knochen nach nahezu 30 Stunden Anreise schnell vergessen."

Küken sind geschlüpft

Im Folgenden berichtet Heinrich Schmidt wörtlich: "Das Programm der folgenden drei Tage war sehr straff: Wir besichtigten die zahlreichen Baumaßnahmen in und um die Schule. Wir freuten uns mit den Schülerinnen und Schülern über bunt gestrichene Klassenzimmer, über neue Tische und Bänke in der elften Klasse und über die Erweiterung des Spielplatzes um ein Karussell und über neue Papierkörbe auf dem gesamten Schulgelände. Die große Freude der Kinder bei unserem Besuch im Unterricht steckte uns förmlich an. Uns begegneten trotz der Not und Armut durchwegs fröhliche, glückliche Kinder, die mit großem Stolz ihre Lieder präsentierten.

Unser größtes Anliegen war es jedoch, so viele Patenkinder wie möglich in ihren Häusern zu besuchen. Dabei schockierte uns einmal mehr das große Elend in den Häusern. Unter schäbigsten Bedingungen leben Familien auf engstem, primitivstem Raum zusammen. Bei unserem Dorfrundgang konnten wir uns aber auch davon überzeugen, dass die Weisendorfer Spendengelder sehr viel Gutes bewirken. Mit ein paar Euro konnten hier Familien eine Schweinezucht aufbauen, einige Mütter bieten selbst aufgezogene Pflanzen zum Verkauf, eine Alleinerziehende konnte dank finanzieller Unterstützung ein eigenes Geschäft eröffnen und ihre Kinder nun selbst ernähren. Voller Stolz wurden uns die ersten Erfolge einer kleinen Hühneraufzucht präsentiert: die ersten geschlüpften Küken.

Bei der Übergabe des Erlöses aus dem Zubza-Lauf in der neu gegründeten elften Klasse schilderten Bürgermeister Heinrich Süß und Pater John anschaulich an Hand einer Fotocollage, dass wir die finanzielle Hilfe auch nicht einfach aus den Ärmeln schütteln, sondern ideenreich und zeitaufwendig Projekte planen und durchführen, wie zum Beispiel den Benefizlauf der Pfarrei St. Josef im Mai 2019. Über die Einnahmen aus der Kollekte beim ökumenischen Gottesdienst anlässlich der Kirchweih im August freuten sich die Mädchen und Schwestern des Mädcheninternates. Sie brauchen dieses Geld dringend für die Überdachung eines Wäschetrockenplatzes.

Vielseits erfuhren wir das Bedürfnis, uns im Gegenzug etwas als Dank zurückzugeben und gleichzeitig das große Bedauern, mit leeren Händen dazustehen. Egal ob im Jungeninternat oder im kleineren Mädchenheim, überall wurden wir beschenkt mit fröhlichen, lautstarken Liedern von dankbaren Kindern. Die größte Geste der Verbundenheit erfuhren wir allerdings beim sogenannten ,cultural day‘. Wir wurden beschenkt mit gewebten Westen und Schals in Stammestrachten und erlebten über mehrere Stunden hinweg ein buntes Programm mit Tänzen und Liedern der rund 570 Schüler aller Jahrgangsstufen der gesamten Schule.

Trotz all der Verbesserungen der letzten Jahre, trotz der Vielzahl an Kindern, denen die vielen Schulpatenschaften und die Klassen der Weisendorfer Schule den Schulbesuch ermöglichen, bleibt die Not noch sehr groß. Wir nehmen mit, dass es weitere, wichtige Projekte gibt, wie die Renovierung des Verwaltungstraktes der Pendant-Schule in Peducha, der derart feucht und von Schimmel befallen ist, oder der Wunsch nach einer Überdachung für den täglichen Versammlungsplatz vor der Schule in Zubza, damit die Mädchen und Jungen in Zukunft in der Regenzeit nicht mehr dem Wetter ausgesetzt sind. sae/red