Spannender geht's nicht. Das letzte Duell des Final-Rückkampfes zwischen dem SV Germania Weingarten und dem ASV Nendingen entschied die deutsche Mannschafts-Meisterschaft der Ringer zugunsten des Titelverteidigers aus Nendingen.
Der Weingartener Georg Harth hatte es in der Hand, den Titel für sein Team zu holen. Der Weltergewichtler führte schon mit 6:0. Nur zwei Punkte musste er noch holen und Weingarten hätte die Meisterschaft nach der 7:11-Niederlage von Nendingen mit einem 13:8-Heimsieg gefeiert. Doch dann der Konter von Samet Dülger, statt der zwei Punkte für den angreifenden Harth, wurde Dülger vier Sekunden vor dem Schlussgong ein Zähler zuerkannt. Harth gewann den Kampf zwar mit 6:1 Punkten und holte damit zwei Mannschaftspunkte zum 12:8, was in der Gesamtwertung beider Finalbegegnungen ein 19:19-Unentschieden brachte.


Nendingen mit elf Siegen

Doch in der Anzahl der Einzelsiege, die nun zur Ermittlung des neuen Titelträgers herangezogen wurden, hatte Nendingen mit 11:9 die Nase vorn. Der ASV feierte die Titelverteidigung vor 2500 Zuschauer im Zelt an der Mineralix-Arena.
Der Finalrückkampf begann für Nendingen allerdings alles andere als vielversprechend, denn schon nach dem ersten Duell zwischen Weingartens Roman Amoyan (57 kg. gr.) und Victor Ciobanu war der Vier-Punkte-Vorsprung aus dem Hinkampf aufgebraucht (15:0). Doch dann ließ Weingarten wichtige Punkte liegen. Schwergewichtler Magomedgaji Nurov (130 kg, Fr.) führte mit 6:1, doch der Weingartener ließ sich mit dem Schlossgong vier Punkte von Nicolai Ceban zum 6:5 abnehmen, sodass nur ein Punkt aufs Konto des SVG wanderte.
Noch härter traf es Vladimir Egorov (61 kg, Fr.), der mit 5:2 Punkten führte. Im Schlussspurt sackte Nendingens 36-jähriger Ghenadie Tulbea noch sechs Punkte zum 8:7 ein. Statt der erhofften zwei Zähler für die Gastgeber, holte Tulbea einen für Nendingen. Einen weiteren Punkt für die Gäste holte Peter Öhler (98 kg, gr.), der den ins Halbschwergewicht aufgerückten Ramsin Azizsir nach einem 1:4-Rückstand mit einem Ausheber noch mit 6:5 bezwang.


Azizsir verliert nach 4:1-Führung

"Schade, es hat gut angefangen, doch im Bodenkampf hat Peter seinen Gewichtsvorteil ausgespielt", sagte der aus Hof stammende Azizsir.
Ionut 'Johnny' Panait (66 kg, gr.) baute für Weingarten mit einem 4:0 gegen Daniel Cataraga die Führung zur Pause auf 7:2 aus. Nachdem Piotr Ianulov (86 kg, Fr.) mit einem 2:1 gegen William Harth auf 3:7 für Nendingen verkürzt hatte, brachte der quirlige Yowlys Rodrigues (66 kg, Fr.) den Gast mit einem 9:1 über Anatoli Guidea auf 6:7 heran. Einer der Schlüsselkämpfe war das deutsche Duell im Mittelgewicht (86 kg, gr.) zwischen Weingartens Jan Rotter und Florian Neumaier. Mit dem 3:0 zog Nendingen erstmals in Front (8:7).
Für den erkrankten Weltmeister Frank Stäbler bot der Gast in der 75-Kilo-Greco-Klasse den 36-jährigen Eduard Kratz auf, der auf den 44-jährigen Adam Juetzko traf. Der Weingartener baute seinen Vorsprung stetig bis auf 8:0 aus. Damit führten die Gastgeber vor dem letzten Kampf mit 10:8.
Nun musste Georg Harth gegen Samet Dülger einen klaren Sieg machen, denn Weingarten benötige drei Zähler um den Titel zu holen. Der Konter von Dülger in letzter Sekunde vereitelte das Vorhaben des Weingarteners und bescherte Nendingen trotz der 8:12-Niederlage, die Meisterschaft.
"Ich kann das gar nicht fassen. Vor allem die Erkrankung von Weltmeister Frank Stäbler schmerzte, doch wie sich die Mannschaft hier verkauft hat, war einfach Wahnsinn", fiel Nendingens Freistiltrainer Marc Buschle in die Freudengesänge der Fans ein.
Weingartens Trainer Frank Heinzelbecker meinte: "Das ist eben Ringen. Bekommt Georg Harth seine Technik am Ende durch, dann feiern wir den Titelgewinn. "Wir waren so dicht dran", ärgerte sich Azizsir. jöri