Die Winzer freuen sich über den heißen Sommer - das ist derzeit in vielen Medienberichten zu lesen. Dieser Aussage können Max Martin vom Ziegelangerer Weingut Martin und Peter Götz vom Weingut Zell am Ebersberg nur teilweise zustimmen. "Ein Vorteil ist, dass man durch die trockene Witterung weniger spritzen muss. Das ist gut für den Pflanzenschutz", sagt Max Martin. Peter Götz bestätigt das: "Es gibt viel weniger Pilzkrankheiten, wenn es so trocken ist."

Mehr Nach- als Vorteile

Allerdings gebe es einen großen Nachteil: die fehlende Bewässerung. "In den vergangenen Tagen hat es nur kurz geregnet, das nützt den Pflanzen gar nichts", so der Jungwinzer. Denn der Boden ist zu trocken. Das sieht man den Weinbergen an: Normal wächst zwischen den Rebstöcken saftig grünes Gras - diesesmal nicht. "Im Wechsel ist normalerweise eine Zeile bepflanzt und die nächste wird aufgebrochen, um dort Pflanzen anzusäen", erklärt Max Martin. In diesem Jahr musste er die Saat verschieben, "da diese nicht aufgehen würde."

Auch auf dem Weinberg von Peter Götz gibt es keine Grünflächen - und das ist so gewollt: "Ich habe das Gras gemäht und gemulcht, damit es den Rebstöcken keine Nährstoffe wegnimmt." Auch musste er einige Reben rausschneiden, um die Pflanzen zu entlasten.

Besonders für junge Reben, die noch nicht tief im Boden verwurzelt sind, ist die Trockenphase problematisch. "Ich habe einen kleinen Weinberg, der 160 Jahre alt ist. Die Stöcke haben ganz andere Wurzeln, da sieht man, dass die Trockenheit ihnen nichts anhaben kann", erzählt Peter Götz. Die anderen Anlagen muss er aber zusätzlich bewässern. "Wir fahren das Wasser, das wir angesammelt haben, den Berg hoch. Dort haben wir eine Tropfberegnung installiert", sagt er. "Wir behelfen uns bei der Hitze mit Tröpfchenbewässerung", erzählt der Jungwinzer. Pro Rebe bräuchte man zehn Liter Wasser, auf einen Hektar umgerechnet seien das 50 000 Liter. "Zum Glück müssen wir noch nicht alles bewässern, sonst sind das Literzahlen in Millionenhöhe." Die Wasserkosten sind für ihn aber nicht das Problem, vielmehr der "arbeits- und zeitintensive Aufwand, der dahintersteckt".

Schwindende Aromen

Zudem wirken sich die Temperaturen nur positiv auf den Rotwein, nicht aber auf den Weißwein aus. "Kalte Nächte prägen das Aroma unserer Weine. Dieses zeichnet unsere leichten, fruchtigen Weißweine aus", erklärt Götz. Wieso das so ist? "Wenn es so heiß ist und die Temperaturen nachts auch nicht unter 18 Grad fallen, dann verlieren die Trauben ihre Aromen. In der Hitze verbrennen die Trauben oder runzeln ein, die Aromen verkochen quasi", erklärt Max Martin.

Die Vegetation ist in diesem Jahr drei bis vier Wochen voraus und der Reifegrad erreicht. Deswegen erfolgt die Lese früher als sonst. "Wir holen die Trauben um den 24. August rum runter, weil sich sonst zu viel Zucker bildet", erzählt er. Auch beim Weingut Peter Götz beginnt in dieser Woche die Weinlese: "Ich habe eine Reifemessung gemacht, der Zuckergehalt liegt schon über 80 Öchsle", erzählt der Winzer. Der optimale Zuckergehalt liegt bei 85 Öchsle.

Gestartet wird mit den Frühsorten, die für das beliebte Herbstgetränk, den Federweißer, verwendet werden. Ende August bis Anfang September werden dann die Sorten für die Weine gelesen. "Ich weiß noch, als ich ein Kind war, ist es manchmal erst im Oktober auf den Berg gegangen", erinnert er sich. "Jetzt ist es viel zu warm, da hat doch noch niemand Lust auf einen Federweißer."

Umdenken ist notwendig

"In Zukunft wird es sicherlich öfter solche Wetterextreme geben", sagt der Winzer. Auch Max Martin teilt diese Meinung: "Es hat schon immer solche heißen Jahre gegeben. Zum Beispiel 2003 oder 2015. Der Abstand wird aber immer kleiner."

Ein Umdenken müsse stattfinden: "So weitermachen wie bisher, das geht nicht mehr lange gut. Wir alle, die gesamte Landwirtschaft, sind gezwungen, uns zu überlegen, wie wir alles bewässern können. Die große Frage lautet dann: Wo nehmen wir das Wasser her?" Mögliche Lösungen haben die beiden bereits. "Man muss von Oktober bis April das Wasser auffangen und sinnvoll wirtschaften, also Pflanzen ansäen, die weniger Wasser benötigen", so Max Martin.

Auf den Weinbau bezogen hat Peter Götz die Idee, "sich vielleicht von Frühsorten zu verabschieden und auf Spätsorten umzusteigen". Das mache man aber nicht von heute auf morgen. "So ein Weinberg ist auf 20 bis 30 Jahre angelegt. Außerdem wird zunehmend versucht, die Weinberge mehr zu schonen und älter werden zu lassen. Da muss man langfristig denken."

Vorerst müssen sich die Weinliebhaber wohl darauf einstellen, den Federweißer im Sommer zu trinken. Trotz der frühen Lese sind sich aber beide Winzer sicher, dass ihr Geschäft nicht leiden wird. "Der Federweißer wird sich so gut verkaufen wie sonst auch", sagt Peter Götz. Auch Max Martin ist optimistisch. "Ein Verlustgeschäft machen wir durch das Wetter nicht. Allerdings kann bis zum Beginn der Lese viel passieren. Ein Hagelschauer wäre schlimmer als eine Trockenphase."

Davon ist aber nicht auszugehen. Und wenn das Wetter so anhält, "dann den Federweißen bloß nicht im Kühlschrank lagern". Denn bei Temperaturen unter sieben Grad arbeitet die Hefe schlechter oder stirbt ab. "Es ist wichtig, dass er weiter gären kann", erklärt Max Martin und fügt lachend hinzu: "Außer natürlich, man trinkt die Flaschen innerhalb von ein, zwei Tagen leer."