Er kann's. Und er zeigt gerne, wie's geht. Wieder einmal war sein Flechtkurs im Stadtschloss ausgebucht. Heinrich Geßlein zeigte diesmal  das Flechten einer Weihnachtspyramide.

Die bunten Weidenruten und -stangen, frisch geschnitten und farblich sortiert, sowie das Ziergewächs Hartriegel liegen bündelweise bereit, ebenso Sandeimer, Scheren und feste Schürzen  für die Teilnehmer des Kurses. "300 bis 500 verschiedene Sorten Weiden gibt es", erklärt der Kursleiter, er selbst hat die Sorten Ingelburg, Dotterweide und Reif-Weide von seinen eigenen Feldern mitgebracht.

Hartriegel zur Verzierung

In die mit Sand gefüllten Eimer werden zuerst die etwas dickeren Stäbe als Aufsteller gesteckt. Die rund einen Meter langen dicken Stäbe müssen oben an der Spitze zunächst mit dünnen Weidenbändern fest gewickelt werden, erklärt Geßlein, zur besonderen Dekoration werden noch Hartriegel-Ästchen mit eingewickelt.

Jetzt geht's ans Arbeiten: Mit Geschick und Muskelkraft müssen die Damen die Weidenruten biegen, "nicht übers Knie", erklärt er schmunzelnd, "besser etwas darunter". Nun können die Ruten zwischen die Aufsteller eingelegt und  von unten her geflochten werden. Die Reihenfolge muss strikt eingehalten werden: dahinter, davor, wieder dahinter und so weiter, bis die erste Runde geflochten ist. Dazu mit der unten liegenden über die darüber liegenden Ruten flechten. "Das ist die Fitz", erklärt der Kursleiter.

"Wenn man's einmal raus hat, dann geht's", kommentiert Christina Fuchs ihr Flechtwerk. Sie ist extra aus dem Bayerischen Wald zusammen mit ihrer Mutter und ihrer Schwester nach Lichtenfels gefahren, um hier am Flechtkurs teilzunehmen. Die Grundkenntnisse des Flechthandwerks erwerben und dann das wunderschöne Hobby zu Hause weiterführen, ist das Bestreben der drei Damen.

Schief, aber schön

Doch ganz so einfach ist das Flechten dann doch nicht. Der Kurs ist für Anfänger ohne Vorkenntnisse und bisweilen verhakelt sich eine Rute ganz woanders, als wo sie eigentlich hinsoll. "Wenn man nicht weiter weiß, einfach ein kleines Stück zurück gehen und zählen: 1, 2, 3 - jede Rute muss aus einer anderen Öffnung kommen", hilft Geßlein weiter. "Gerade Sachen gibt es überall zu kaufen, individuelle Sachen sind gefragt", meint der Marktgraitzer, als ihm eine Teilnehmerin ihre etwas schief geratene Arbeit zeigt.

Nun wird im mittleren Teil eine spiralförmige Struktur geflochten und zum Abschluss am oberen Ende mit der gelben Dotterweide gewickelt. Fertig. Das Schmücken zu Hause bleibt nun der eigenen Fantasie überlassen. Eine frisch geschnittene Weide bleibt im Winter übrigens bis zu acht Wochen biegbar, im Sommer wegen der Trockenheit deutlich kürzer. Auch das manchmal nötige Wässern der Ruten erklärt Heinrich Geßlein auf Nachfrage. Hier zähle die Erfahrung: Würden Weiden zu lange gewässert, gehe ihre Rinde ab. Lägen sie zu kurz im Wasser, würden sie beim Biegen und Flechten zerbrechen.