Büros hat er sowohl in Hofheim als auch in Haßfurt. Doch Andreas Hartung wird wohl am wenigsten seiner zweigeteilten Arbeitszeit im Pfarramt oder in der Regionalstelle für kirchliche Jugendarbeit (KJA) verbringen. Ziel des 35-Jährigen ist es, "die Kirche von einem Verein, zu dem sie oft geworden ist, wieder zu einer Glaubensgemeinschaft zu machen, die das lebt, was Jesus vorgelebt hat und sich nicht auf dem gewohnten ausruht, bis nix mehr geht." Und das geht nicht nur vom Schreibtisch aus.
Dies gelingt wohl hauptsächlich im direkten Kontakt mit den Menschen. Andreas Hartung ist seit eineinhalb Wochen zu 50 Prozent als Dekanatsjugendseelsorger für große Gebiete des Dekanats Haßberge zuständig. Zur anderen Hälfte arbeitet er als Pfarrvikar in Hofheim, wo er am kommenden Sonntag offiziell eingeführt wird.


Wertvolle Hilfestellung

"Wir leben im Jahr 2017 und als Kirche haben wir eine Botschaft, die den Menschen eine wertvolle Hilfestellung für das Leben sein kann", betont der Hobbykoch aus Rechtenbach bei Lohr. Für ihn müsse diese Botschaft die Menschen "so erreichen, dass sie sie verstehen, und sie müssen erleben, dass sie ein Mehrwert für ihr Leben ist."
Hartung, der 2014 in Würzburg zum Priester geweiht wurde und zuletzt als Kaplan in der Pfarreiengemeinschaft Kirchschönbach-Stadelschwarzach-Wiesentheid wirkte, ist bewusst, dass ihn vielfältige Aufgaben in beiden Funktionen erwarten. Dazu gehören in der Pfarrei alle gottesdienstlichen Aufgaben. Auch das Feld der Seelsorge, wozu aus seiner Erfahrung "viele persönliche Gespräche, Krankenbesuche, Krankensalbungen und das Beichtgespräch" gehören, wird er zukünftig wahrnehmen. Zusammen mit dem Firmteam ist er zudem dafür verantwortlich, junge Menschen auf das Sakrament der Firmung vorzubereiten und für die Gemeinde Goßmansdorf wird er der Kirchenverwaltung angehören. "Was auch immer dazu kommt, ist alles unplanbar".


Schwerpunkt Jugend

Doch besonders wichtig ist dem 35-Jährigen der "Kontakt zu jungen Menschen in der Pfarrei". Dieser laufe in erster Linie über die Ministrantenarbeit, für die er ab Oktober zusammen mit dem neuen Pfarrer Manuel Vetter zuständig ist. Kontakt zu Jugendlichen und Junggebliebenen wird er in seiner Funktion als Jugendseelsorger, was für ihn Neuland ist, wohl reichlich haben. So will Hartung unter anderem spezielle Gottesdienste anbieten, "die sowohl Sprache und Themenwelt von jungen Menschen treffen".
Kirchliche Jugendarbeit solle "ergänzende Angebote" machent, damit junge Leute etwas finden können, was sie in der Gemeinde nicht haben", sagt er. Insgesamt hält der gelernte Schreiner, der erst vor neun Jahren als "Spätberufener" seine Priesterausbildung auf dem 3. Bildungsweg begann, Jugendarbeit in den Dekanaten für "wichtig, weil sie die Jugendgruppen der Pfarreien begleiten und schulen kann."
Durch regelmäßig angebotene Gruppenleiterschulungen etwa können Mädchen und Jungen "viel für ihre Arbeit mit den Gruppen, aber auch für ihr weiteres Leben lernen."
Andreas Hartung hat noch viel Arbeit vor sich. Eine eigene Meinung zum Zustand der Kirche hat er sich bereits gebildet. "Die Kirche", macht er positive Veränderungen deutlich, "hat schon in manchen Bereichen und Orten gelernt, vom Verein, der seine Hochzeit hinter sich hat, wieder zu einer Glaubensgemeinschaft zu werden. Das, glaube ich, ist und bleibt noch weiterhin im Hausaufgabenheft der Kirche stehen."
Trotzdem gebe es weiter viel zu tun. Sie müsse "lernen", egal ob in der Pfarrei oder in der Jugendarbeit, "nicht jedes Pferd mit souveräner Sturheit zu Tode zu reiten, sondern vorher abzusteigen und zu schauen, wie es auf einem neuen Weg weitergeht." Noch fehle "oft der Mut, vom alten wegzugehen". rn