Zum Zeitungsartikel "Vergeblicher Lebenskampf" vom 18.12.2019: Dass ein Rind getötet werden muss, um sein Fleisch zu verspeisen ist für alle (außer Vegetarier, Veganer, u.ä. Zeitgenossen) doch nur normal. Aber so ein Tratra zu machen, weil ein ausgebüxter Bulle von einer Polizeikugel getötet werden musste, ist für mich nicht nachvollziehbar.

Den Fehler hat freilich der Metzger gemacht, weil er gegen die Regel den Bullen eigenständig abladen wollte. Aber er hat es sicherlich richtig gemacht, das Schlachtvieh in den Schlachthof Kronach zu bringen. So geht Nahversorgung! Der Transportweg ist kurz, der Schlachthof besser ausgelastet und Arbeitsplätze dort gesichert.

Wenn mancher Leser aus Mitleid gegen den Abschuss des Bullen protestiert, dann darf er kein Fleisch aus dem Discounter kaufen und erst recht kein amerikanisches Beef oder Brasilianisches Weidefleisch (er sollte es sowieso nicht tun). Wie die meisten Schlachttiere für solches Fleisch leiden müssen, will bestimmt keiner sehen. Außerdem ist die CO2 -Bilanz in diesen Fällen deutlicher schlechter.

Den Bullen zu erschießen war notwendig und sicherlich tierschonend. Freilich hätte es bestimmt ein beauftragter Jäger auch tun können. Der Ruf nach Nahversorgung oder Bio-Weidefleisch ist doch immer lauter, aber scheinbar in dem konkreten Fall nicht mehr zu hören. Von Fachleuten wird der sogenannte Weideschuss nach einer artgerechten Tierhaltung als schonendste Tötung bezeichnet. Es gibt dafür leider noch keine verbreitete Akzeptanz in der Bevölkerung und außerdem noch keine wirkliche Logistik, das geschossene Tier in den Schlachthof zu bringen. Unumstritten ist aber, dass die Fleischqualität dadurch am besten erhalten bleibt.

Wenn die Bevölkerung also eine Biodiversität und regionale Fleischprodukte möchte, dann sollte eine kindliche, mitleidbehaftete Meinung abgelegt werden und sich mehr in die Arbeit der Landwirte, Metzger und Schlachthofarbeiter hineingedacht werden. Aber das scheint leider immer weniger der Fall zu sein. Vielleicht weil der Bezug zum Landwirt und den Berufen, die die Produkte aus der Landwirtschaft direkt verarbeiten nach und nach schwindet.

Jens Jakob Kronach