Kann eine gesunde und bewusste Ernährung einer Krebserkrankung vorbeugen? Mit dieser Frage beschäftigte sich der Mitmachkreis "Tage ohne Fleisch", der von Franz Amann aus Hirschaid 2011 ins Leben gerufen wurde, intensiv in den vergangenen Jahren. Mit knapp 40 Vorträgen in der gesamten Region wurde für dieses Thema sensibilisiert, berichtet Amann. Jüngst sprach nun mit Dr. Jürgen Birmanns ein Ganzheitsarzt aus Rheinland-Pfalz bei einer restlos ausgebuchten Veranstaltung im Bistumshaus St. Otto über die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Krebs. Wir sprachen zu dieser Thematik mit dem Arzt.

Weshalb ist es für Sie wichtig, Ihren ärztlichen Rat immer aus ganzheitlicher Sicht zu geben?
Jürgen Birmanns: Bei der biologischen Behandlung der Zivilisationskrankheiten ist es unverzichtbar, alle drei Ursachenkomplexe zu berücksichtigen: Wir unterscheiden ernährungsbedingte, lebensbedingte und umweltbedingte Krankheiten. Die etablierte naturwissenschaftliche Medizin reduziert den kranken Menschen auf einen Organdefekt beziehungsweise pathologischen Laborwert. Der Patient wird in seiner Leib-Seele-Einheit nicht wahrgenommen. Die Biografie des Patienten und der psychosoziale Kontext rücken in den Hintergrund. Ein Rezept mit symptomatischen Linderungsmitteln ist schnell geschrieben. Die Aufklärung des Patienten über Krankheitsursachen, etwa durch vitalstoffarme Fabriknahrung erfordert vom Arzt viel mehr Einsatz. Für eine erfolgreiche Behandlung ist die Stärkung der Autonomie des Patienten entscheidend.

Im Mittelpunkt des Vortrags stand die Frage, inwieweit ein gesunder Lebensstil Krebs vorbeugen kann.
Zahlreiche internationale Studien und Daten legen einen Zusammenhang zwischen der Häufigkeit der Krebserkrankungen in den westlichen Industrienationen und dem dortigen Lebensstil nahe. Krebs ist ein multifaktorielles Geschehen. Bei seiner Entstehung spielen ernährungs- , lebens- und umweltbedingte Faktoren eine Rolle. Die toxische Gesamtsituation darf nicht unterschätzt werden. Es gibt zwar keine spezifische Krebsdiät, doch häufen sich die Hinweise, dass ein Mangel an biologischen Wirkstoffen (Vitalstoffe) in der Nahrung die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu erkranken, erhöht. Die Zufuhr von vorwiegend erhitzten, konservierten und präparierten Nahrungsmitteln führt zu einem chronischen Vitalstoffmangel. Es gibt auch Hypothesen, die davon ausgehen, dass der übermäßige Verzehr von Tiereiweißprodukten nachteilige Auswirkungen zeigt.
Debattiert wird immer wieder der Einsatz von Glyphosat in der Landwirtschaft. Laut einer Studie aus dem Jahr 2015 ist dieses "wahrscheinlich krebserregend" beim Menschen. Wie stehen Sie zu einem Verbot des Mittels?
Ein Verbot des Totalherbizids mit dem Wirkstoff Glyphosat ist unbedingt notwendig, weil schon der Verdacht auf eine kanzerogene Wirkung zu einem Verbot führen muss, um die Bevölkerung vor nicht wieder gutzumachenden Schäden zu schützen. Die Landwirtschaft der Zukunft muss eine kontrolliert biologische sein. Für Ackergifte ist da kein Platz.
Auch bei der Atomkernspaltung beruhigte man die Bevölkerung lange Jahre mit dem Slogan "Atomenergie ist sauber". Die verheerenden Katastrophen in Tschernobyl und Fukushima brachten die erschreckende Wahrheit ans Licht. Eine ähnliche Verschleierungstaktik wird bei dem Thema Agro-Chemie angewandt. Der Staat hätte primär die Aufgabe, die Bevölkerung vor Gesundheitsschäden durch gefährliche Gifte zu bewahren.

Das Gespräch führte
Max Eberlein