Sie können praktisch alles, was ein Studio für Produktdesign so anbieten kann. Doch im Augenblick konzentrieren sich Alisa Ehrlicher und Denise Knauft voll auf Porzellan. Seit sie im Studium an der Hochschule Coburg zusammen einen Kurs zur Porzellanherstellung besucht haben, lässt sie der Werkstoff nicht mehr los - und führte die beiden jungen Frauen zu einer ganz eigenen Startup-Geschichte.

"Es war ein Nebenprojekt im Studium", sagt Denise Knauft. Das Material interessierte beide ebenso wie viele andere Studenten. Doch während viele nach einer Weile genervt waren, stellten die unvermeidlichen Flops im Umgang mit Porzellan für Alisa Ehrlicher und Denise Knauft nur immer neue Herausforderungen dar, die sie verbissen annahmen. Töpfern kann jeder. Aber: "Porzellan ist die Königsdisziplin", sagt Alisa Ehrlicher über den wohl anspruchsvollsten Werkstoff in der Keramik.

Die nicht ganz einfache Verarbeitung führte dazu, dass es kaum kleine Manufakturen gibt, die Porzellan verarbeiten. "Das hat sich eigentlich nur in der Industrie gehalten", sagt Alisa Ehrlicher.

Die Manufaktur als Nische reizte die beiden Studentinnen. Sie begannen auf eigene Faust zu experimentieren, aus Versuch und Irrtum zu lernen und Möglichkeiten auszuprobieren, die Fachleute von vorne herein als Unmöglichkeiten ansahen: "Wenn es heißt, das geht nicht, probieren wir es trotzdem aus. Vielleicht kommt ja was dabei heraus, womit sich doch etwas anfangen lässt", erklärt Alisa Ehrlicher.

Freunde und Bekannte sahen ihre Sachen und fragten danach, wo es die zu kaufen gibt. Es folgten Einzelstücke, die nach solchen Anfragen produziert wurden und irgendwann die Entscheidung: "Wir machen uns selbstständig!" Das galt nicht nur für Porzellan. "Wir sind Produktdesigner und arbeiten zusammen. Bei größeren Aufträgen können wir noch weitere Leute dazu holen", erklärt Denise Knauft.

Porzellan sollte wohl sein

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Die Sache mit dem Porzellan entwickelte sich als eigenes Standbein, als müsse es so sein. Da war zunächst der Kontakt mit Ozan Durukan. Er hat in der ehemaligen Blaufabrik in Grub am Forst die Seed Evolution GmbH aufgebaut. Von dort kommen die Mein-woody-Pflanzsets, die inzwischen einen beachtlichen Markt erobert haben mit der Idee, Bewusstsein für einen sorgsamen Umgang mit der Natur zu wecken. Allerdings benötigt Seed Evolution längst nicht all den Raum, den die frühere Halle der Blaufabrik bietet. Der Erfolg des eigenen Startups bewegte Ozan Durukan, auch anderen jungen Gründern zu helfen. Es brauchte nicht viel Diskussion und Alisa Ehrlicher investierte in eine Porzellanwerkstatt in der alten "Blau" wie die Fabrik bei den Grübern heißt. "Wir arbeiten zusammen, aber die Sachen habe ich angeschafft. Das macht es einfacher, wenn wir doch mal getrennte Wege gehen", sagt Alisa Ehrlicher. Denise Knauft stammt aus Erding. Die Vision der beiden ist es, dass sie irgendwann dorthin zurück geht, die Zusammenarbeit aber weiter besteht. Denn ihre Designangebote von der Beratung kleiner Handwerksbetriebe bei einer Onlinepräsentation bis zum Entwerfen von speziellen Möbeln nach Vorstellungen eines Kunden können auch ein großes Einzugsgebiet abdecken.

Dass sie im Augenblick ein wenig auf Porzellan fokussiert sind, hat einen guten Grund. Gleich einer ihrer ersten Aufträge konnte nicht besser sein für eine gerade gegründete Manufaktur. Über Bekannte aus der Gastronomie und Hotellerie im Coburger Land kamen sie in Kontakt mit Starkoch Alexander Herrmann - und an einen Auftrag für spezielles Porzellan für sein Restaurant. Ein weiterer Wink des Schicksals. Wer künftig dort ein vegetarisches Gericht bestellt, bekommt es auf einem Teller in Form eines Blattes serviert. Teller aus der Manufaktur in Grub am Forst.

Jedes Stück ein Unikat

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"Jedes Teil ist ein Unikat, weil jedes ein wenig anders aus der Form kommt, weil wir es ja berühren und minimal verändern", erklärt Alisa Ehrlicher. Und: "Porzellan hat ein Gedächtnis", betont sie. Wird eine kleine Formveränderung korrigiert und scheint verschwunden zu sein, wird sie nach dem Brand wieder sichtbar. Außerdem kann eine Gussform immer nur etwa 25 Mal verwendet werden, dann ist eine neue nötig, und auch die ist dann minimal anders als die erste.

Hunderte Stücke hat Alexander Herrmann bestellt - ein Auftrag, an dem die beiden noch immer arbeiten. Aber auch einer, der als Referenz gegenüber weiteren Kunden in seiner Qualität kaum zu übertreffen ist. Und er zog schon den nächsten Auftrag nach sich. Für das Sommerfest eines Unternehmens in Herrmanns Posthotel lieferten die beiden Jungunternehmerinnen exklusive Becher. Es spricht offenbar einiges dafür, dass die beiden mit ihrer Idee, Porzellan in Handarbeit anzubieten, gar nicht schlecht lagen.

Martin Schmitz, Wirtschaftsförderer am Landratsamt Coburg, zeigte sich beim Besuch der Seed Evolution GmbH zusammen mit Landrat Michael Busch begeistert von Ozan Durukans Angebot, anderen Start-ups in der Blaufabrik eine Gründungsmöglichkeit zu bieten. Schmitz sieht in solchen Gründungen eine Möglichkeit für die wirtschaftliche Entwicklung der Region neben ihrer industriell geprägten Geschichte.

Vielleicht taucht der Name Blaufabrik Grub am Forst, dann ja noch bei weiteren Startups im Namen auf. So wie bei den beiden Produktdesignerinnen, die Ihr Studio "bläo-design" nennen. Bläo ist ein Altdeutsches Wort für blau. Die Wortschöpfung wird so zu einer kleinen Verbeugung vor der Wirtschaftsgeschichte, der Alisa Ehrlicher und Denise Knauft die denkmalhaften Räume verdanken, in denen sie jetzt arbeiten. Gleichzeitig führt der Name aber in Gegenwart und Zukunft, in der Design eine zunehmend bedeutende Rolle spielt.