Andreas Schmitt

Es sind genau 17 993 Personen, die im evangelisch-lutherischen Dekanat Kronach-Ludwigsstadt Ende September Post erhalten. "Die Landessynode nimmt dafür Geld in die Hand", sagt Dekanin Dorothea Richter. Das Ziel: Die Beteiligung an der Wahl der Kirchenvorsteher soll steigen.
2012 lag sie bayernweit bei 18,6, in der Stadt Kronach gar nur bei 13,3 Prozent. "Wir hatten in Landgemeinden Werte von über 50 Prozent. Je größer die Gemeinde, desto geringer die Quote", analysiert Richter.


Möglichst viele Wahllokale

Zum Wahltag am 21. Oktober soll es besser werden. Die evangelische Kirche betont ihre kleinräumigen Strukturen. Jeder, der persönlich zur Wahl gehen will, soll dies wohnortnah tun können. So stehen etwa in Kronach nicht nur im Gemeindehaus an der Christuskirche und im Gehülzer Gemeindesaal St. Michael Wahlurnen, sondern auch am Kreuzberg (Gottfried-Neukam-Schule) oder in Neuses (katholisches Pfarrheim), wo die evangelische Kirche gar keine eigenen Räume mehr besitzt.
Die größte Werbung soll aber das erstmalig verschickte persönliche Anschreiben sein. Jeder Wahlberechtigte erhält den Brief, mit dem er auch wählen kann. Richter: "Bislang musste man Briefwahl extra beantragen, jetzt geht das einfacher."
Von den insgesamt 19 925 Mitgliedern des Dekanats, das bis auf Mitwitz (zu Michelau) und Gössersdorf (Kulmbach) das Gebiet des politischen Landkreises Kronach abdeckt, sind knapp 18 000 Menschen wahlberechtigt. "Jeder, der in der Gemeinde wohnt und 16 Jahre alt ist", sagt Richter. "Und Konfirmierte schon ab 14."


Stiftung und Pfarrgemeinderat

Und was genau wird gewählt? "Die Kirchenvorsteher sind mit Pfarrerinnen und Pfarrern das Leitungsgremium der Gemeinde", sagt Richter. Während bei den Katholiken der Pfarrgemeinderat berät und die Kirchenstiftung die Finanzhoheit hat, gibt es dafür bei den Protestanten nur ein Gremium.
"Der Kirchenvorstand hat Budgetrecht, kann Schwerpunkte setzen", sagt Horst Moser. Der 54-Jährige gehört seit 1994 dem Kirchenvorstand Schmölz an - erst als Ersatzmann, seit 2000 als Vollmitglied. Der zweifache Familienvater macht Werbung für das Ehrenamt. "Wer Freude hat, in einer Gemeinschaft an einem Strang zu ziehen, dem gefällt der Posten und er wird etwas erreichen."
Die Aufgaben könnten kaum vielfältiger sein. Die Kirchenvorsteher kümmern sich um Bauangelegenheiten, Kindergärten, Kinder-, Jugend- und Seniorenarbeit. Oft übernehmen sie Lektorendienste, tragen Lesungen oder Abkündigungen vor. Außerdem beschließen sie den Haushalt, kümmern sich um Diakonie, Seelsorge, Ökumene und Bibelfragen sowie die Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden. In Schmölz sind Horst Moser und seine Mitstreiter beispielsweise gerade dabei, eine neue Steinsäule für die Osterkerze zu gestalten. Und auf dem Friedhof haben sie an einer neuen Urnenwiese mitgewirkt.


Überbau Dekanatssynode

"Es macht viel Freude und erfüllt mich", sagt Horst Moser, der in der Kronacher Servicestelle des Staatlichen Bauamts Bamberg arbeitet und in Bauangelegenheiten besonders gefragt ist. "Gott hat jedem eine Stärke mitgegeben - und als Kirchenvorsteher kann jeder seine individuelle Stärke einbringen."
Insgesamt sind in den 23 Gemeinden des Dekanats 156 Kirchenvorsteher aktiv. 125 werden gewählt, 31 von den dann gewählten Gremien berufen. "Das soll sicherstellen, dass möglichst alle Altersgruppen und alle Ortsteile vertreten sind." Während das Amt früher von Männern dominiert war, sind heute Frauen in manchen Gemeinden sogar in der Überzahl.
Und wer möchte, kann auch Verantwortung für das gesamte Dekanat übernehmen. Denn die Kirchenvorsteher wählen aus ihrem Gremium Abgesandte für die etwa 60-köpfige Dekanatssynode, in der die Ehrenamtlichen auch zwei Vertreter im Präsidium stellen (momentan Horst Moser und Christa Büttner aus Kleintettau). Richter: "Die Zusammenarbeit aus Haupt- und Ehrenamtlichen ist das Kennzeichen unserer Gemeinschaft."