Der TSV Bad Kissingen, mit aktuell 1051 Mitgliedern einer der größten Vereine der Stadt, steht vor einer Führungskrise. Bereits vor zwei Jahren hatte die TSV-Vorsitzende Hannelore Schön erklärt, dass dies ihre letzte Amtsperiode sein werde. Acht Jahre lang führte sie als Nachfolgerin von Gustav Streng, dem heutigen Ehrenvorsitzenden, den Turn-Sportverein mit seinen elf Abteilungen inklusive der Immobilien Saalbau mit angeschlossenen Räumlichkeiten, Wohnungen und Restaurant, sowie den Tennisplatz in der Au und die Vereinshütte am Erlenberg zwischen Waldfenster und Stangenroth.
Rund 100 000 Euro habe man im Berichtsjahr in den Saalbau investiert, die Lokalpächterin sei inzwischen ausgezogen. Eine Renovierung, nach Vorgaben der Gesundheitsbehörden, würde die finanziellen Grenzen des Vereins total übersteigen, daher werde man das Lokal nicht weiter verpachten, sondern als Vereinsheim nutzen.
Die Arbeiten dazu hätten bereits begonnen, wobei Hannelore Schön einen besonderen Dank an Albert Köpplin aussprach, der mit seinen Mannen aus der Sambo-Abteilung hervorragende Arbeiten leiste. Aber, kaum dass nach drei Monaten ohne Heizung der Saalbau wieder ohne Schal betreten werden konnte, kam die nächste Katastrophe.
In der Tat war es ein richtiger Donnerschlag, der in der Nacht vom 10. Juli halb Kissingen aus dem Schlaf riss: ein Blitz hatte in den Saalbau eingeschlagen und den Dachstuhl in Brand gesetzt. Inzwischen ist alles repariert, aber wenige Tage vor der Jahreshauptversammlung bahnte sich die nächste Katastrophe an, als der bisherige zweite Vorsitzende unvermittelt erklärte, dass er aus privaten Gründen mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurücktrete.


Mehr Schultern nötig

Nachdem in der Versammlung Hannelore Schön nochmals bekräftigt hatte, dass sie sich für die nächste zwei-jährige Wahlperiode nicht mehr zur Verfügung stelle und unter den rund 35 Anwesenden auch niemand war, der sich als 1. Vorsitzender zur Verfügung stellte, kam es gar nicht zu Punkt 6, der Neuwahl. Hannelore Schön schlug dagegen vor, über eine Satzungsänderung abstimmen zu lassen.
"Wir brauchen mehr Schultern" ,so ihr Argument und ihre Vorstellung: Drei Vorsitzende sollen sich die Aufgaben im Verein teilen. Nach zum Teil heftiger Diskussion wurde der Vorschlag einer Satzungsänderung angenommen.
Innerhalb der nächsten sechs Wochen soll dann auf jeden Fall eine außerordentliche Mitgliederversammlung stattfinden. Ein Neumitglied ließ wissen, es könne sich vorstellen in der neuen Vorstandschaft mitzuarbeiten, nicht aber an dessen Spitze. Würde sich niemand dafür finden, so Hannelore Schön, dann hätte der TSV Bad Kissingen nach der "Außerordentlichen" noch ein Jahr Zeit, eine neue Vereinsführung zu finden, dann müsste der Traditionsverein aufgelöst werden.
Ungeachtet dessen bat sie über 20 langjährige Mitglieder zu sich nach vorne, um ihnen für langjährige Mitgliedschaft zu danken. Aber selbst von den zu Ehrenden war nicht einmal die Hälfte zur Versammlung gekommen - sie fehlten ebenso wie zwei Abteilungsleiter.
Geehrt wurden für 25 Jahre im Verein: Steffen Grün, Karola Rahm, Stefanie Ruppert und Eckehard Simon.
Für 40 Jahre: Manfred Albert, Klaus Dümpert, Maria-Magdalena Heinrich, Helga Morbach, Ute Rückel, Joachim Tietze, Michael Windecker und Harald Zöllner.
Für 50 Jahre: Peter Heusler, Ilse Mühle. Norbert Paulus, Karin Rustler, Brigitte Schmück, Ingeborg Stürmer, Karla Weber und Thea Zintl. Für 60 Jahre sollte Helmut Katzenberger geehrt werden, der inzwischen über 80-Jährige ließ sich jedoch entschuldigen.