Die Umweltinitiative "Naturschutz zum Mitmachen" versuchte vergebens, den Marktgemeinderat zur Mitwirkung beim Pestizidverzicht in der Landwirtschaft zu gewinnen. Mit 20:3 Stimmen wurde beschlossen, den Anträgen derzeit nicht stattzugeben. Das Thema soll erst einmal im Arbeitskreis Grünflächenmanagement beraten werden.

Unter Federführung von Franz Proksch beantragte die Umweltinitiative, zumindest auf den landwirtschaftlichen Grundstücken, die von der Marktgemeinde an Bauern verpachtet sind, schrittweise den Verzicht auf die Anwendung von Pestiziden vertraglich zu vereinbaren. Damit soll dem seit 27 Jahren zu verzeichnenden Artenrückgang der Insekten - der Hauptnahrungsquelle verschiedener Tierarten - begegnet werden. Hauptursache der dramatischen Entwicklung sei der Einsatz von Pestiziden in der konventionellen Landwirtschaft.

In einem zweiten Schritt sollte die Gemeindeverwaltung als Minimallösung eine Mitteilungspflicht beim Pestizideinsatz auf Feldern im 100-Meter-Umgriff um Spielplätze, Kindergärten oder Schulen erreichen.

Wenn Tag und Stunde der Ausbringung von Pestiziden rechtzeitig bekannt gegeben würden, könnte die Marktgemeinde mit entsprechenden Schutzmaßnahmen reagieren, argumentierte die Umweltinitiative: Spielplätze vorübergehend schließen, Kindergärten benachrichtigen usw.

Jedoch: Die Mehrheit des Marktgemeinderats folgte den Argumenten zweier Landwirte in den eigenen Reihen. Gerhard Lieberth von der WG Sassanfahrt-Köttmannsdorf-Rothensand betonte: "Die Bauern brauchen unsere Hilfe und nicht zusätzliche Vorschriften." Und Christian Büttel von der CSU bat von Pflanzenschutzmitteln zu sprechen und nicht von Pestiziden. Der Einsatz dieser Stoffe sei ohnehin nur zulässig, wenn andere Maßnahmen des Pflanzenschutzes nicht fruchteten.

Udo Wüst (Freie Wähler) hielt den Antrag für fachlich nicht fundiert. Als Leiter einer Landwirtschaftlichen Berufsschule teilte Wüst zwar die Sorgen der Umweltinitiative, er sieht aber die derzeitigen Regelungen des Einsatzes chemischer Mittel für ausreichend an und versicherte, dass es sich die Landwirtschaft gar nicht erlauben könne, gegen die Regelungen zu verstoßen. Auf die Gefahr der Ungleichbehandlung wies Horst Auer (SPD) hin.

Verweis auf Ökobauern

Von dieser Breitseite gegen den Antrag zeigte sich Roland König von der Ökologischen Liste erschreckt. Durch die erwünschten Einschränkungen werde kein Landwirt geschädigt, meinte König. Er verwies auf die Ökolandwirte, die seit Jahren ohne chemische Keule hochwertige Produkte auf den Markt brächten.

Auch der Appell von Albert Deml (ÖL), ein Zeichen zu setzen, verpuffte. Der Marktgemeinderat lehnte es mit großer Mehrheit ab, den Bauern weitere Vorschriften zu machen. Wenn der zuständige Arbeitskreis zu einem anderen Ergebnis kommt, wird das Thema erneut beraten, hieß es im Marktgemeinderat.