Kriege verändern sich. Das machte Militärdekan Michael Gmelch aus Neubiberg bei München in seiner Predigt beim Eröffnungsgottesdienst zur Ökumenischen Friedensdekade am Sonntag in der St.-Augustin-Kirche am Coburger Hofgarten deutlich. "Krieg 3.0" lautet heuer das Motto der Dekade, die am Buß- und Bettag, Mittwoch, 21. November, endet.

Mit dem Motto "Krieg 3.0" möchte der Trägerkreis der Ökumenischen Friedensdekade angesichts der Gefahr der Eskalation vorhandener Konflikte weltweit auf die potenziellen Gefahren eines Dritten Weltkriegs aufmerksam machen. Dabei soll die weltweite Aufrüstungsspirale, die sich auch in den Finanzplänen der kommenden Jahre für den Verteidigungshaushalt in Deutschland widerspiegelt, kritisch hinterfragt werden. Zugleich will die Friedensdekade den Fokus auf die zunehmende Digitalisierung und Automatisierung kriegerischer Waffen legen: Ob Drohnen, Roboter oder Slaughterbots - die Entwicklung unbemannter, eigenständig agierender Killermaschinen ist auf dem Vormarsch, um Kriege - auch in Form von Cyberwars - wieder führbar zu machen.

Gmelch beschrieb in seiner Predigt die Evolutionsstufen der Kriegsführung im Laufe der Menschheitsgeschichte: "Der Krieg 1.0", das sei eben noch der Kampf von Mann gegen Mann mit archaischen Hilfsmitteln gewesen. Mit der Erfindung des Schießpulvers sei die Distanz zwischen den Kämpfern größer geworden. Und auch in der frühen Phase der Kriegsführung 2.0 sei die ethische Bewertung eines Kampfes schwieriger geworden. Jetzt kommt der "Krieg 3.0" mit dem Einsatz selbstständig denkender Waffensysteme, die dann den Menschen als endgültigen Entscheider über Leben und Tod eigentlich gar nicht mehr brauchen.

Ächtung von Killerrobotern

Militärdekan Gmelch wies etwa auf Attacken auf die Infrastruktur des Gegners hin. Er erinnerte an einen Ausfall der Energieversorgung in Teilen der Ukraine, von dem über 200 000 Bürger betroffen gewesen seien. "Die Urheber sind nicht unbedingt erkennbar", stellte Gmelch fest.

Aber: "Der Krieg im Netz ist bereits erkennbar." Das Wettrüsten sei bereits in vollem Gange. Maschinen könne man nicht für ein ethisches Fehlverhalten verantwortlich machen, warnte der Geistliche. So könne eben zum Beispiel auch ein selbstständig denkendes Waffensystem nicht zwischen einem Kind mit einem harmlosen Spielzeuggewehr und einer echten Gefahr unterscheiden. Die Entscheidung über Leben und Tod einem Roboter zu überlassen, wäre ein Fiasko. 26 Nationen hätten sich inzwischen für die Ächtung von Killerrobotern eingesetzt, Deutschland noch nicht. mako