Kreis Haßberge/Bamberg — Es war einst König Ludwig I. von Bayern, der den ersten Zug nach Bamberg fahren ließ. Nach intensiver Beratung mit seinen Ministerien entschied sich der Monarch 1840 dazu, eine Eisenbahnstrecke von der Staatsgrenze bei Hof über Bamberg, Nürnberg und Augsburg nach Lindau bauen zu lassen: fünf Jahre, nachdem der "Adler" als erste deutsche Dampflok mit seinen 65 Stundenkilometern Höchstgeschwindigkeit von Nürnberg nach Fürth schnaufte. Vor 170 Jahren erreichte die von vielen skeptisch gesehene Errungenschaft Bamberg. Daran erinnert Norbert Heidrich als Vorsitzender der BSW-Gruppe Eisenbahngeschichte Bamberg in der Stiftung Bahn-Sozialwerk, der das Thema aufbereitete.

"Ludwig-Süd-Nord-Bahn"

Am 25. August 1844 fand die feierliche Eröffnung des ersten Teilabschnittes Nürnberg- Bamberg statt. Und gleich am
1. Oktober wurde der regelmäßige Zugbetrieb aufgenommen. Bis zur Fertigstellung des Stationshauptgebäudes mit hölzerner Einsteighalle - am 3. September 1846 - behalf man sich in der Domstadt mit einem provisorischen Fachwerkhäuschen.
Dabei war am 15. Februar schon der zweite Teilabschnitt der Bahnstrecke von Bamberg nach Lichtenfels in Betrieb gegangen. Das letzte Teilstück Kempten-Lindau der 566 Kilometer langen Verbindung wurde am 1. März 1854 eröffnet. Zu Ehren des Königs erhielt die erste Fernbahnlinie im Königreich Bayern den Namen "Ludwig-Süd-Nord-Bahn".
Das zunächst kleine Bamberger Stationshauptgebäude von 1846 wurde wegen des ständig steigenden Verkehrsaufkommens mehrmals erweitert, aufgestockt und umgebaut. Schließlich war zwischen 1852 und 1854 auch die zweite bayerische Hauptbahnlinie abschnittsweise eröffnet worden: die "Ludwigs-West-Bahn" von Bamberg über Haßfurt, Schweinfurt, Würzburg und Aschaffenburg zur hessischen Landesgrenze. Am 1. August 1852 hatte die Eisenbahn mit der "Ludwigs-West-Bahn" Haßfurt erreicht. Nebenbei: 40 Jahre später, am 15. März 1892, wurde durch die Bayerische Staatsbahn die 15,5 Kilometer lange Sekundärbahn nach Hofheim eingeweiht, auf der das "Hofheimerle" bis 1995 fuhr. Seit 1997 ist diese ehemalige "Hofheimerle"-Strecke ein Radweg.
Doch zurück zu Bamberg: 1908/09 hatte Bamberg endlich ein würdiges Empfangsgebäude mit Sandsteinfassade - eine Art Eingangstor zur Domstadt.

Langsamer Verfall

An der Brennerstraße ist bis heute das 1854 als Erweiterung erbaute Werkstättengebäude der Königlichen Betriebswerkstätte Bamberg zu sehen. Dort wurden die einst stationierten Dampflokomotiven repariert. Noch rechtzeitig unter Denkmalschutz gestellt, dient das Sandsteingebäude nach innerem Umbau mittlerweile als Parkhaus für Fahrräder.
Eine andere Entwicklung nahm das ehemalige Bahnbetriebswerk mit seinen beiden großen Rundlokschuppen an der Gundelsheimer Straße, erbaut zwischen 1901 und 1912. Seit 1984 als selbstständige Dienststelle aufgelöst, dann stillgelegt, wurden Teilflächen inzwischen verkauft. Die ursprünglichen Ausmaße der Bahnanlage sind noch erkennbar. Wenn sich die Natur auch das Gelände zurückerobert und die Lokschuppen nach und nach verfallen.
Wie zelebrierte man vor 30 Jahren noch den 140. Jahrestag der Streckeneröffnung Nürnberg - Bamberg! Es kam zu Feierlichkeiten, die mittlerweile ein eigenes Geschichtskapitel sind. Viel Prominenz wurde im Bahnhof erwartet. Mit großem Engagement hatten zahlreiche Eisenbahner in monatelanger Fleißarbeit die Festveranstaltung vorbereitet. So wurden schon am 21. September im Bahnbetriebswerk auf den Strahlengleisen vor dem Lokschuppen 1 bekannte Museumslokomotiven ausgestellt, die später noch anderweitig zu sehen waren. Am 22. und 23. September gab's für Festbesucher einen Blick zurück in die Geschichte und anschließend in die damals prognostizierte Zukunft der Bahn.
Ein Nostalgie-Dampfsonderzug fuhr auf der Nebenbahn nach Scheßlitz, ein Intercity-Pendelzug im Stundentakt nach Erlangen. Schirmherr der Veranstaltung: der damalige Oberbürgermeister Paul Röhner.
Vielen ist sicher noch in Erinnerung, wie am Bahnsteig 1 Festreden gehalten wurden. Hier spielte die Musik, während im Kundenzentrum des damaligen EVO-Gebäudes in der Luitpoldstraße eine Dokumentation aufgebaut war. Bei der Güterabfertigung gab es moderne Güterwagen und einen Schienenkran, in der Ladehalle mehrere Modelleisenbahnanlagen zu bewundern. Mit Fotoschautafeln und Modellvitrinen war die BSW-Gruppe Eisenbahngeschichte Bamberg beteiligt. Die Post legte nach Entwurf der BSW-Briefmarken-Sammlergemeinschaft Nürnberg sogar einen Sonderstempel auf.

Gruppe sucht Unterstützer

Ja, die Eisenbahngeschichte ist ein faszinierendes Kapitel, das die 1981 gegründete BSW- Gruppe Eisenbahngeschichte Bamberg in der Stiftung Bahn-Sozialwerk weiter aufarbeiten möchte. Die Dampflokzeit soll aufleben und vieles mehr rund ums Thema. Ein Großteil des gesammelten Materials ist Norbert Heidrich zufolge allerdings noch an verschiedenen Orten verteilt gelagert. "All das wartet darauf, einmal ausgestellt werden zu können, um die inzwischen 170-jährige Bamberger Eisenbahngeschichte entsprechend zu würdigen", sagt Heidrich.
Wer die BSW-Gruppe Eisenbahngeschichte Bamberg bei der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten unterstützen möchte, kann sich an Norbert Heidrich (Telefon 09543/7562) wenden. Interesse hat die Gruppe auch an jedwelchen Exponaten zur Eisenbahngeschichte - wie Fahrkarten, Fahrpläne, Gleis- und Baupläne, Dokumente, Uniformen, Vorschriften oder historische Fotos. red