"Was ist Tracht - was ist Mode?" Was auf den ersten Blick einfach scheint, ist komplizierter als zunächst gedacht. Meike Bianchi-Königstein hat sich in der Forschungsarbeit für ihre Dissertation dieser Aufgabe gestellt. Im Bauernmuseum Frensdorfer Land - da, wo 2013 alles seinen Anfang nahm - fand jetzt die Abschlussfeier für das Projekt "Regionaltypisches Kleidungsverhalten seit dem 19. Jahrhundert. Entwicklungen und Tendenzen am Beispiel Oberfranken" statt.

Fließender Übergang

Gibt es überhaupt einen Unterschied zwischen Mode und Tracht, fragt sich die junge Forscherin in ihrer Arbeit. Am Beispiel der "Bamberger Flügelhaube" machte Bianchi-Königstein den fließenden Übergang von Mode zur Tracht am besten deutlich. Die Flügelhaube sei zu Beginn des 19. Jahrhunderts als "modische Kopfbedeckung" im städtischen Bürgertum entstanden. Davon ausgehend habe sich die Kopfbedeckung zunächst als Markenzeichen der Bamberger Gärtner durchgesetzt. Mit der Zeit habe sie sich auch unter der Landbevölkerung des ehemaligen Hochstifts Bamberg verbreitet und wurde schließlich zur "typischen Tracht". Das "Wechselspiel zwischen Mode und Tracht" fesselte Bianchi-Königstein auch bei der "Bayreuther Spitzenhaube", die schließlich Teil der Mistelgauer Tracht wurde. Die Forscherin fand weitere Beispiele dafür, wie sich ein weit verbreiteter Stil zu einer Tracht entwickelte.

Im Gegensatz zu heute, wo sich Menschen europa-, ja weltweit nahezu gleich kleiden, herrschten zu jener Zeit große regionale Unterschiede. Ein Jahr lang reiste die junge Forscherin für ihre Arbeit durch ganz Oberfranken, um herauszufinden, was die Menschen im 19. Jahrhundert trugen. Dabei hat sie die Textilbestände von 17 Museen und Sammlungen untersucht. 5000 Stücke wurden mit Arbeitslisten und Fotos festgehalten, 907 Objekte detailliert in eine Datenbank aufgenommen.

Förderzusage macht Mut

Projektleiterin der Forschungsarbeit war Birgit Jauernig, die Leiterin des Frensdorfer Bauernmuseums. Jauernig konnte Meike Königstein, die als Volontärin mit der Erfassung des Textilbestands betraut war, ein Jahr lang beobachten. "In kürzester Zeit hatte sie sich in Frensdorf zu einer Expertin in der Bestimmung historischer Kleidung entwickelt", berichtete Jauernig. Anträge an die Volkswagenstiftung in Hannover und an die Oberfrankenstiftung wurden gestellt.

Als die Zusage der Förderung kam, "waren wir vor Freude überwältigt", so Jauernig. Trotz einiger Hürden, Heirat und Elternzeit habe Bianchi-Königstein alles "mit Bravour" geschafft, so Jauernig. Der Gewinn, den die Arbeit für die Region bringe, sei groß. Einer der wichtigsten Effekte sei, dass den beteiligten Museen jetzt fundierte wissenschaftliche Beschreibungen und Analysen ihrer textilen Objekte vorliegen.

Die Volkswagenstiftung, eine vom VW-Konzern unabhängige Vereinigung, unterstütze vor allem junge Forscher und kleinere Museen, berichtete die Vertreterin der Stiftung, Annabella Fick. "Gerade in diesen Häusern wird wunderbare Arbeit geleistet", die personelle und finanzielle Ausstattung sei jedoch häufig so, dass sie sich mit Forschung kaum auseinandersetzen könnten. Diese Forschungsarbeit sei ein wichtiger kultureller Beitrag für die Region Oberfranken.

Professorin Bärbel Kerkhoff-Hader vom Lehrstuhl für Europäische Ethnologie an der Universität Bamberg hat als Doktormutter die Arbeit begleitet. Sie sieht das Projekt als "eine fruchtbare Verbindung zwischen Forschung und Lehre". Die Exkursionen hätten "den Blick erweitert". "Forschungsertrag" des Projekts sei vor allem die Inventarisierung der beteiligten Museen. Die Arbeit wirke aber auch "inspirierend in die Lehre der Universität hinein".

Landrat begeistert

Als Hausherr des Museums zeigte sich Landrat Johann Kalb begeistert von der Forschungsarbeit, "in die viel Herzblut geflossen ist". Sein Dank galt allen Beteiligten, insbesondere den beiden Stiftungen für die Finanzmittel. Nach Kalbs Worten sind knapp 400 000 Euro in das Forschungsprojekt geflossen. Nicht zuletzt galt der Dank des Landrats Renate Kühhorn, seiner Mitarbeiterin im Landratsamt und "der guten Seele in Sachen Kultur". Sie habe die finanzielle Seite gemanagt und die Gelder perfekt verwaltet.