Es kommt nicht oft vor, dass sich ein Richter vor Prozessbeginn bei einem Angeklagten ganz explizit erkundigt, ob es ihm gut geht und ob er der Verhandlung folgen könne. Im Falle des angeklagten Coburgers tat dies Alexander Zenefels am Dienstagvormittag. Es war ein unüblicher Fall von Diebstahl, der verhandelt wurde.

Depressionen sind Begleiter des 38-Jährigen, der im Altenpflegewesen tätig ist und bis vor Monaten im östlichen Landkreis Lichtenfels wirkte. Doch am 25. Mai dieses Jahres entwendete er einer 89-jährigen Anvertrauten die von ihr benötigten Tabletten und ersetzte sie, um den Vorfall zu kaschieren, gegen Blutverdünner. 14 Tabletten waren es insgesamt, die der süchtige Enddreißiger selbst einnahm.

In keinem Moment der Verhandlung versuchte der Mann gegenüber Zenefels oder Staatsanwalt Daniel Killinger etwas zu beschönigen oder zu verschweigen. "Es stimmt", war sein erster Kommentar nach der Anklageverlesung, gefolgt von einer Schilderung seines Lebensweges nach dem 25. Mai. "Im Prinzip habe ich alles verloren (...) und der Suchtdruck war größer als der Widerstand, den ich leisten konnte", sagte der Angeklagte.

Selbstmordversuch hinter sich

Noch im Mai hatte der Mann, der von seiner Lebensgefährtin "rausgeschmissen" worden war und wegen seiner Tat noch anderweitige familiäre Nachteile erfahren hatte, einen Selbstmordversuch unternommen.

In der Verhandlung selbst präsentierte sich der Pfleger gefestigt. Er plane eine ambulante Reha, und darauf angesprochen, wie es sich derzeit mit seinem Suchtdruck verhalte, versicherte er, in diese Richtung gerade keinen Druck zu spüren. Auch sei es ihm zurzeit gegeben, "alle Dinge mit Freude anzugehen".

Bis dato war der Mann vergleichsweise unbescholten gewesen. Einmal hatte er eine Trunkenheitsfahrt mit knapp zwei Promille hingelegt. Ein andermal war herausgekommen, dass es schon einmal Tablettenvorfälle gab.

Nun aber sollte ein Urteil wegen Diebstahls auf ihn warten. Doch es war nicht zu überhören, wie sehr Staatsanwalt Killinger hervorhob, dass das Geständnis "von Reue getragen" gewesen und bei dem Angeklagten deutlich geworden sei, "dass es kein Lippenbekenntnis ist". Eine Geldstrafe hielt Killinger nicht mehr für ausreichend - er plädierte auf eine fünfmonatige Haftstrafe, die zur Bewährung auszusetzen sei.

Nach kurzer Verhandlungsunterbrechung verkündete Zenefels das von ihm gefällte Urteil: vier Monate Haft auf Bewährung und Beiordnung eines Bewährungshelfers für die Dauer von zwei Jahren. Überdies erlegte der Richter dem Angeklagten eine Bewährungsauflage in Höhe von 1800 Euro sowie die verpflichtende Teilnahme an einer Suchttherapie auf.