Wahrscheinlich gäbe es in Stammbach keinen Lebensmittelmarkt, wenn sich die Kommune vor fast zehn Jahren mit der Schließung der Diska-Filiale abgefunden hätte. Nach der Schließung des einstigen Supermarkts kaufte die Gemeinde das Gebäude, sanierte es energetisch, schuf einen Aufenthaltsbereich und gestaltete den gesamten Laden barrierefrei. Damit waren die Voraussetzungen geschaffen, dass sich die Diakonie Hochfranken engagierte und dort das sogenannte Cap-Markt-System installierte. Inzwischen ist der Cap-Markt auch ein Treffpunkt geworden und so zu einem Stück Lebensqualität in Stammbach, dem die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Arbeit und Soziales, Anette Kramme (SPD) aus Bayreuth, am Wochenende einen Besuch abstattete.

Im System der deutschlandweit etwa 110 CAP-Märkte ist der Stammbacher allerdings ein Exot, wie Michael Bursian der Staatssekretärin erläuterte. Bursian ist Ausbildungskoordinator des Berufsbildungswerks der "Diakonie am Campus" in Hof. "Cap" steht für Handicap: In dem Markt arbeiten auch Menschen mit Behinderung; genauer gesagt: sie erhalten dort eine Ausbildung im kaufmännischen beziehungsweise Lebensmittelbereich.

Derzeit sind es fünf im ersten und ein Azubi im zweiten Lehrjahr, um die sich zusätzlich zum allgemeinen Ladengeschäft Elisabeth Grüner und ihre (nicht behinderten) Mitarbeiterinnen kümmern. Die Ausbildungsplätze werden gefördert für Schulabgänger, die trotz eines mentalen oder psychischen Defizits ausbildungsfähig sind, aber besondere Anleitung brauchen. "In erster Linie Geduld", sagt Marktleiterin Grüner.

Das Lernziel unterscheidet sich dennoch nicht von dem für Nichtbehinderte. Die Lehrlinge werden nicht nur zum Regaleeinräumen abgestellt, sondern durchlaufen die komplette Ausbildung im Einzelhandel einschließlich Berufsschule. Von der Warendisposition bis zur Kasse. Allerdings werden sie nach Abschluss der Ausbildung mindestens sechs Monate weiter betreut. Es wird ihnen bei der Arbeitssuche geholfen, wofür die Diakonie auch enge Kontakte mit der Arbeitsagentur und dem Jobcenter hält.

Von dieser besonderen Ausbildungssituation profitiert der Ort Stammbach, der einen Einkaufsmarkt behält. "Rein wirtschaftlich und ohne diesen Hintergrund würde sich der Laden wohl nicht rentieren", räumt Michael Bursian ein. Obwohl man Preise auf Supermarktniveau anbiete und besondere Serviceleistungen. Neben der Post-Stelle zum Beispiel wirbt der Markt mit einem Lieferservice ins Haus, begleiteten Einkäufen und barrierefreiem Zugang. "Ohne ehrenamtliches Zutun wäre dies nicht machbar", so Manuela Bierbaum, Geschäftsführerin der Diakonie Hof.