Bier, eine reine Männerdomäne? Zumindest bei der Volkshochschule Stadt Haßfurt, die den Kurs "Biergeschichte und Biergeschichten" mit Stefan Küst anbot. Der ist Stadtführer in Bamberg, Weinliebhaber, aber auch Biertrinker. Und darüber hinaus macht es ihm Spaß, über die lange Geschichte des Bieres zu referieren.
Kaum glauben konnten es die Männer, dass Zeugnisse aus dem siebten Jahrtausend vor Christus vorhanden sind, die beweisen, dass es damals schon Bier gab. Was die Teilnehmer noch mehr erstaunte: Das Bier wurde von Frauen erfunden, die in ihren Küchen mit damaligen Getreidesorten experimentierten. Mit wenig Alkoholgehalt galt es als Grundnahrungsmittel für die Bevölkerung, aber auch für die Pyramidenbauarbeiter am Nil.
In der Biergeschichte Europas tauchen bierähnliche Getränke erst seit 2700 Jahren auf. Dafür verwendet wurden regionale Kräutermischungen, es war ungefiltert und hatte eine kurze Haltbarkeit, denn Hopfen gibt es erst seit dem 12. Jahrhundert.
Ab dem 16. Jahrhundert hat sich das Bier erst richtig durchgesetzt. Auch damals war es die Hausarbeit der Frauen, denn diese bekamen einen Sudkessel als Teil der Aussteuer. In dieser Zeit übernahmen auch die Mönche die Bierherstellung, denn "Flüssiges bricht Fasten nicht"!
In der Gesellschaft wird das "flüssige Brot" als Nahrungsmittel gesehen, das einen niedrigen pH-Wert hat und Infektionsrisiken senkt. Aber durch die berauschende Wirkung wird das Bewusstsein erweitert und es wird oft für spirituelle Zwecke genutzt. Es gilt aber auch als Ausgangsstoff für Arzneimittel, da dieser Stoff entspannt und sediert. Natürlich, sagte Küst, sollte Bier nicht als Rauschobjekt angesehen werden.
Im weiteren Verlauf des anregenden Abends klärte der Bierkenner über das Reinheitsgebot auf, das es schon bei den Babyloniern und Ägyptern gab. In Deutschland kam es im Jahr 1156 in Augsburg auf, Hunderte Jahre später in Nürnberg und Bamberg. Das bayerische Reinheitsgebot gilt seit dem 23. April 1516; es war das erste für einen größeren Staat.
Über die Geschichte des Bieres gab es viel zu erzählen, und das Interesse der Teilnehmer nahm nicht ab. Hinzu kamen die Erläuterungen der technischen Möglichkeiten zur Bierherstellung und die Brauzutaten - mit der Feststellung, dass die Basis eines jeden Bieres aus weichem Wasser besteht und dies besonders für Pils gut geeignet ist.
Um den Vortrag nicht zu trocken werden zulassen, verköstigte der leidenschaftliche Bierkenner die Zuhörer mit den unterschiedlichsten Biersorten. Unter anderem bot er ein "Dunkles Lager" aus Breitenlesau an, das mit verschiedenen Spezialmalzen gebraut ist, mit circa 5,0 Prozent Alkoholgehalt, und als typisch fränkisch gilt. Ebenso im Angebot stand ein untergäriges Vollbier aus Bamberg: hefetrüb, ungespundet und ungefiltert.
Am Ende des lehrreichen Vortrages setzte sich Küst mit den neun größten Irrtümern rund um das Bier auseinander. Darunter dieser, dass Bier ein reines Männergetränk ist, oder der Spruch "Bier auf Wein, das lass' sein", oder "Ein gutes Bier braucht sieben Minuten". Dazu stellte er richtig: Ein frisches Bier kann und sollte in maximal zwei bis drei Minuten gezapft sein. Am Ende hatten sich die Teilnehmer nicht nur über die humorvollen Geschichten zwischendurch amüsiert, sondern viel über das Bier gelernt. EE