Martin Schweiger Weil sein Konto tief im Minus war, ließ sich ein 21-jähriger Mann aus dem Landkreis Haßberge am 23. August vergangenen Jahres zu einem Einbruch hinreißen, den er vor dem Jugendgericht des Amtsgerichts in Haßfurt am Montag als "reine Blödheit" bezeichnete. Er wurde in dem Prozess zu einem Freizeitarrest verurteilt.

Am frühen Morgen des Tages im August hebelte der 21-Jährige in Augsfeld zunächst Vorhängeschlösser eines Containers auf, der zu einer dortigen Werkstatt gehörte. Als er dort nichts fand, hebelte er an der Rückseite des Werkstattgebäudes eine Tür auf, wo er diverse Schlüssel und einen Liter Motorenöl mitgehen ließ. Da die Schlüssel für eine weitere Tür nicht passten, warf er die Glasscheibe der Tür mit einem Stein ein, um die Tür dann zu öffnen und 39 Euro Münzgeld zu erbeuten. Weit höher als der Wert des Diebesgutes war der Sachschaden in Höhe von 700 Euro, den der Einbrecher verursachte.

Das Jugendgericht verurteilte den einschlägig vorbestraften Angeklagten wegen Diebstahls in einem besonders schweren Fall und Sachbeschädigung zu einem Freizeitarrest in der Jugendvollzugsanstalt Würzburg, wo er ein Wochenende hinter schwedischen Gardinen verbringen muss. Vor Gericht begründete er sein Vergehen damit, dass er verzweifelt gewesen sei, weil er kaum Geld hatte. Mit seinem Auto sei er an der Werkstatt vorbeigefahren und habe sich gefragt, "ob da was zu holen" sei. "Was soll denn in einer Werkstatt zu holen sein?", erwiderte der Vorsitzende, Richter Martin Kober. "Geld genug, um mit dem Auto nachts herumzufahren, hatten Sie ja", argumentierte er.

Es sei "reine Blödheit" gewesen, meinte der Angeklagte kleinlaut. Nach der Tat habe er das Diebesgut hinter einem Sicherungskasten in Augsfeld versteckt, um dann heimzufahren.

Weit kam er nicht. An einer Kreuzung in Augsfeld wurde er von einer Polizeistreife angehalten und kontrolliert.

Der Angeklagte ist nicht zum ersten Mal mit dem Gesetz in Konflikt geraten. 2014 wurde er bereits bei einem Diebstahl in drei Fällen plus Computerbetrug straffällig. Laut Jugendgerichtshelferin ist er dem Jugendamt schon längere Zeit bekannt.

Der Staatsanwalt sah keine spontane Zufallstat. Die Tat sei geplant gewesen, weil der Täter Aufbruchswerkzeug in seinem Wagen mitführte. Der Anklagevertreter beantragte daher zwei Wochenendarreste nach dem Jugendstrafrecht.

Richter Martin Kober beließ es bei einem Freizeitarrest für die "Verzweiflungstat", kündigte aber gleichzeitig an, dass der Angeklagte beim nächsten Diebstahl oder Einbruch als "notorischer Einbrecher" eingestuft werde und mit einer Freiheitsstrafe von mindestens drei Monaten zu rechnen habe. Das Urteil ist rechtskräftig.