Vorstellung des Ferienprogramms, die Genehmigung für eine Straßensperrung während der Kirchweih und ein Antrag für einen Zuschuss zu einer Typisierungsaktion gegen Leukämie. Die Tagesordnung der jüngsten Gemeinderatssitzung in Kemmern las sich übersichtlich. Die Sitzung selbst war es dann nicht. Insbesondere aufgrund eines Themas, das gar nicht auf der Einladung stand.
Bis einschließlich 21. Juli führt Radio Bamberg einmal mehr seine "Dorftour" durch. In fünf Gemeinden macht der Sender für jeweils drei Stunden Station, sendet live, es gibt Freibier und Gratis-Bratwürste. Welche Gemeinden es werden, wurde ausgelost. Auch aus Kemmern ging eine Bewerbung ein, Kemmern wurde gewählt, als Termin hatte Radio Bamberg den 21. Juli festgelegt.
In einem Telefongespräch zwischen Marcus Appel von Radio Bamberg und Bürgermeister Rüdiger Gerst (CSU) am 3. Juli stellte sich dann schnell heraus: ein schlechter Termin. Denn zeitgleich findet in der Kirche die Firmung statt. Das Ortszentrum rund um den Kirchplatz schied damit als Veranstaltungsort aus.
In einem Telefonat mit dem Verfasser dieses Artikels bestätigte Appel, dass Bürgermeister Gerst zu keinem Zeitpunkt gesagt habe, er wolle das Fest nicht. Er habe lediglich darauf hingewiesen, dass aufgrund der vielen Veranstaltungen rund um die 1000-Jahrfeier der Bauhof sowie die Mitarbeiter der Verwaltung ausgelastet seien und daher nicht bei Aufbau und Organisation unterstützen könnten. Es habe zwar das Angebot gegeben, die Gewinnerin selbst könne sich einbringen, bei Radio Bamberg sei aber schlussendlich die Entscheidung gefallen, einen anderen Veranstaltungsort zu suchen. "Kemmern ist damit nicht draußen, aber wir haben entschieden, lieber auf einen anderen Zeitpunkt zu verschieben", so Appel telefonisch. Eine Bewerbung sei jederzeit wieder möglich.
Die "Dorftour" macht nun stattdessen Station in Ebing. Gerst, der in seinem allgemeinen Bericht die Situation darlegte, verwehrte sich dem Eindruck, er selbst habe die Veranstaltung abgesagt - es habe sich eine Eigendynamik entwickelt. Jochen Förtsch (Zukunft für Kemmern, ZfK) meinte: "Wenn man das Fest in Kemmern gewollt hätte, hätte man es in den Ort holen können", gegebenenfalls nicht an den Kirch-, sondern etwa den Festplatz. Er wies außerdem darauf hin, dass es eine Voranfrage des Veranstalters gegeben habe. Gerst wies das zurück.
Von der eigentlichen Tagesordnung wurden nach einer weit über 30-minütigen Diskussion zur Dorftour einige Punkte schnell abgearbeitet, etwa ein Antrag der Brauerei Wagner auf Sperrung von Teilbereichen der Hauptstraße vor der Brauerei am Kirchweihwochenende. Die Sperrung kann erfolgen, allerdings muss ein Korridor für Rettungsfahrzeuge und Fußgänger sowie für den Kirchweihumzug freigehalten werden.


Gemeinsam gegen Leukämie

Das Ferienprogramm 2017 präsentierte anschließend der Jugendbeauftragte Hans-Dieter Ruß. 27 Veranstaltungen werden angeboten, zahlreiche Vereine und Institutionen nehmen teil. Einige Programmpunkte sind bereits ausgebucht. Er verlas zudem ein Schreiben von Julia Schatkowski-Amtmann von der ZfK, die sich in diesem Jahr nicht am Ferienprogramm beteiligt. Als Grund wird die Art und Weise, wie mit dem Verein umgegangen werde, genannt. Man sei menschlich enttäuscht.
In Zusammenarbeit mit dem Verein "Hilfe für Anja e.V." will die Wählergruppe Zukunft für Kemmern eine Typisierungsaktion "Gemeinsam gegen Leukämie" durchführen. Das Vorhaben wurde vom gesamten Gemeinderat begrüßt. Der eigentliche Antrag auf einen Zuschuss in Form mehrerer kostenloser Seiten im Mitteilungsblatt für eine Aufklärungskampagne fand aber mit 3 zu 10 Stimmen keine Mehrheit.
Gerst verwies auf die Beschlusslage des Gemeinderates aus den Jahren 1995 und 2008, dass örtliche Vereine einen Rabatt von einem Drittel auf den eigentlichen Preis einer Seite (Normalpreis: 120 Euro) bekämen. Vor dem Grundsatz der Gleichbehandlung aller Vereine wäre die Abweichung davon ein Präzedenzfall. Eine Jugendfeuerwehr etwa werde dafür ausgebildet, Menschenleben zu retten, auch sie könne sich dann auf eine solche Regelung berufen. In einem weiteren Beschluss wurde die Regelung aus den Jahren 1995 und 2008 bei einer Gegenstimme bestätigt.