Stephan Herbert Fuchs

Kulmbach — Der vermeintliche Betrüger war am Ende selbst der Betrogene. Das war auch der Grund dafür, dass das Verfahren gegen einen 37-jährigen Koch aus Hof vor dem Kulmbacher Amtsgericht letztlich ohne Auflagen eingestellt wurde.
Angeklagt war der Mann, weil er einen 15 Jahre alten Mercedes von seinem Ex-Schwager aus dem Landkreis Kulmbach gekauft, den Preis von 3500 Euro aber nicht gezahlt hatte. Weil der 37-Jährige kurz zuvor eine eidesstattliche Versicherung abgegeben hatte, hätte er das Geld auch gar nicht aufbringen können, meinte die Staatsanwaltschaft und klagte den Mann wegen Betruges an.
Ganz so einfach war die Angelegenheit aber dann doch nicht. Für den Kaufpreis hatten die Vertragspartner Ratenzahlung vereinbart. Wenn lediglich die erste Rate in Höhe von 250 Euro geflossen war, dann deshalb, weil das angebliche Erbstück eigentlich nur Schrottwert hatte. Die Klimaanlage des Mercedes war defekt, die Lenkung knackte immer wieder bedrohlich, einige Federn waren gebrochen, der Kühler war nicht mehr ganz dicht, und zu allem Überfluss versagten auch die Bremsen. "Das Auto war nicht mehr verkehrssicher und musste schon nach wenigen Tagen abgeschleppt werden", sagte der Angeklagte. Ihm sei das Fahrzeug in Kenntnis all dieser schweren Mängel verkauft worden.
Der Verkäufer hatte dem Angeklagten dagegen versichert, dass schon alles in Ordnung sei. Auf die Mängel hingewiesen, soll er sich überaus arrogant gezeigt und geantwortet haben: "Das ist doch nicht mein Problem." Die verlangte Kaufpreisreduzierung oder die Rücknahme des Fahrzeugs kam für den Verkäufer nicht in Frage.
"Es war kein Schrottwagen, es war natürlich auch kein Neuwagen", sagte der Mann. Beim Verkauf seien ihm keinerlei Mängel bekannt gewesen, allerdings sei der Angeklagte 4000 bis 5000 Kilometer damit gefahren. Da könne das eine oder andere Verschleißteil schon mal Mängel aufweisen.


Job verloren

Trotzdem hatte sich der Verkäufer nach Ausbleiben der zweiten Rate das Auto mit einem Schlüssel, der noch in seinem Besitz war, einfach wiedergeholt. Und das, obwohl der Angeklagte bereits 800 Euro in eine Notreparatur investiert hatte. Das war dann auch das Ende der gerade erst begonnen Tätigkeit für eine Zeitarbeitsfirma, denn die setzte den Besitz eines Fahrzeugs voraus. Der Angeklagte lebt seitdem wieder von Hartz IV.
Das Gericht hatte noch einen weiteren Vorbesitzer des Wagens als Zeugen aufgetan.


"Nicht von heute auf morgen"

Dieser bestätigte tatsächlich, dass es ihm mit dem Verkäufer und dem 15 Jahre alten Mercedes ähnlich ergangen sei. Ihm hatte die Werkstatt sogar bestätigt, dass die Mängel nicht von heute auf morgen aufgetreten sein können.
Eine Täuschung des Verkäufers durch den Käufer liegt somit nicht vor, sagte der Verteidiger des 37-jährigen Angeklagten, Rechtsanwalt Jürgen Hilpert aus Meiningen. Auch Staatsanwalt Ludwig Peer bezeichnete eine solche Täuschung zumindest als fraglich, so dass Richterin Sieglinde Tettmann das Verfahren kurzerhand wegen geringer Schuld einstellte. Die Kosten trägt die Staatskasse.