Die Erfolge sind weithin sichtbar, die Arbeit findet aber eher im Stillen und abseits der öffentlichen Wahrnehmung statt. Würde der Landschaftspflegeverband (LPV) im Coburger Land nicht so effektiv und erfolgreich wirken, sähe es um die Pflanzen- und Tierwelt wesentlich schlechter aus.

Bei der jüngsten Mitgliederversammlung wurde gezeigt, wie vielfältig das Betätigungsfeld des LPV ist. Dass man auf zahlreiche Erfolge verweisen kann, ist nach Worten des Vorsitzenden Rolf Rosenbauer vor allem darauf zurückzuführen, dass Naturschutzverbände und die Landwirtschaft Hand in Hand arbeiten. "Ohne diese vertrauensvolle Zusammenarbeit wären die Ergebnisse nicht möglich gewesen", unterstrich Rosenbauer.

In den Focus der Arbeit des LPV rückte im vergangenen Jahr das Anlegen von Blühwiesen. Besonders stolz ist man darauf, dass es nicht erst das Bürgerbegehren "Rettet die Bienen" gebraucht habe, um die Notwendigkeit zu erkennen, hier der Natur unter die Arme zu greifen. Rosenbauer: "Als in München noch Honigbrote verteilt wurden, hat der Coburger Landschaftspflegeverband mit seinem Blühflächenprojekt in Zusammenarbeit mit den Landwirten schon gehandelt."

Ansaat auf 19 Hektar

Insgesamt nehmen an dem Projekt 22 Landwirte und Grundstücksbesitzer teil, die auf 45 Flurstücken in 31 Gemarkungen eine Ansaat der "Göttinger Mischung" auf einer Fläche von 19 Hektar ermöglichten. Die Kosten hierfür bezifferte Rosenbauer für Saatgut, Ansaat und Ernteausfallsentschädigung auf rund 15 000 Euro. Der Vorsitzende verdeutlichte, dass das gesamte Projekt auf absolut freiwilliger Basis aufgebaut wurde.

Wenn derzeit immer wieder ein "runder Tisch" in Sachen Umwelt- und Artenschutz gefordert wird, kann der Vorsitzende nur lachen. "Im LPV Coburg sitzen wir schon seit 25 Jahren an einem runden Tisch und es ist gelungen, die unterschiedlichsten Interessen und Sichtweisen unter einen Hut zu bringen." Dabei will er auch die Kommunen mit ins Boot holen. Nach seinen Worten fanden bereits mit elf der 17 Landkreisbürgermeister Gespräche über Landschaftspflegekonzepte statt. Nicht unerwähnt läßt er, dass die Kosten für die Anlage von Flächen größtenteils förderfähig sind. "Der Freistaat übernimmt 70 Prozent, der Landkreis Coburg 15 Prozent der förderfähigen Aufwendungen, so dass für die jeweilige Gemeinde ein Eigenanteil von 15 Prozent der Kosten übrig bleibt."

Der fachliche Geschäftsführer, Frank Reißenweber, ging auf die Landschaftspflegemaßnahmen ein. Er beleuchtete besonders die Themen Mäharbeiten zur Biotopenpflege, Beweidung, Fledermaus- und Amphibienschutz, Pflanzmaßnahmen und Biotopgewässer. So war seinen Darlegungen zu entnehmen, dass der LPV im Rahmen der Biotopenpflege rund 120 Hektar betreut.

Sorgen bereitet Reißenweber der Rückgang bei den Amphibien. Nach seiner Auffassung ist es dem trockenen Sommer 2018 geschuldet, dass die Zahl der an den Fangzäunen gesammelten Amphibien um rund ein Drittel zurückging.

Zufrieden zeigte sich Reißenweber mit der Förderkulisse durch den Freistaat Bayern. "Die fördertechnischen und finanziellen Rahmenbedingungen waren in 2018/2019 genauso günstig und positiv wie in den Vorjahren", ließ der Geschäftsführer wissen und ergänzte: "Der Fördermittelrückfluss erfolgte zeitnah und problemlos." Insgesamt beantragte der LPV finanzielle Mittel in Höhe von 527 059 Euro, wovon 523 323 Euro (99,30 Prozent) bewilligt wurden.

Die Arbeit des LPV wird nach seinen Worten durch die sogenannte Verwaltungskostenpauschale erleichtert, die seit Mai 2018 gewährt wird: "Damit werden jetzt wichtige, flankierende Arbeiten finanziell unterstützt, für die es früher keine Zuwendung gab."

Für den organisatorischen Teil im Coburger LPV zeichnet Andreas Sollmann verantwortlich. Er informierte die Versammlung, dass dem Verband 209 Mitglieder, davon 179 Einzelpersonen angehören. Der Rest sind Kommunen, Verbände und Vereine. Weiter war zu erfahren, dass 2018 knapp 170 Obstbäume, 90 davon aus dem Biodiversitätsprojekt "Sortenvielfalt in Oberfranken", verpflanzt, 700 Meter Hecke neu angelegt und 1,3 Hektar Magerrasen und Weide entbuscht wurden. Auch wurden 330 Kopfweiden gescheitelt.

"Geld allein funktioniert nicht"

Bei einer Ortsbesichtigung im Vorfeld der Versammlung hatte Reißenweber erklärt, dass die Kopfweiden Lebensraum für seltene Käferarten wie den Mulmkäfer, den Moskusbuk oder den Eremit bieten. Aber auch Haselmäuse, höhlenbrütende Vogelarten wie Meisen und Kleiber, Fledermäuse und Eulen fühlen sich in den Bäumen wohl.

Einstimmig verabschiedet wurde der Haushaltsplan 2019, der Einnahmen von 548 000 Euro und Ausgaben in Höhe von 539 000 Euro vorsieht. Angesichts der Erfolge, auf die der LPV verweisen kann, stellte stellvertretender Landrat Rainer Mattern fest: "Geld allein funktioniert nicht, wenn es nicht gelingt, die Interessen der Landwirtschaft und des Naturschutzes gleichermaßen zu berücksichtigen".