Seit den Übergriffen in der Silvesternacht ist die Nachfrage nach Pfefferspray enorm gestiegen, denn Frauen wollen sich mit einem erlaubten Mittel schützen. Mit dem Begriff Pfefferspray ist meist ein Reizstoffsprühgerät mitsamt dem enthaltenen Wirkstoff Oleoresin Capsicum "OC" gemeint.
Wie eng die Grenzen des Einsatzes dieser Sprays gesehen werden, macht ein Urteil des Landgerichts Nürnberg deutlich. Es verurteilte eine 45-jährige Erlangerin zu sieben Monten Haft und anschließender Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik. Der zweite Teil der Strafe ist allerdings allein in der Person der Verurteilten begründet. Man ging bereits in der Anklageschrift von einer wahnhaften Vorstellung als Auslöser der Pfeffersprayattacke aus.
An einem Juliabend gingen zwei Erlanger spazieren, als unvermittelt die 45-Jährige auf sie zutrat und sie besprühte. Die zwei Personen bekamen den Stoff kräftig ab, sodass ihre Augen und ihr Gesicht massiv gereizt wurden, was erhebliche Schmerzen nach sich zog.


Keine Notwehrsituation

Die Frau glaubte sich durch die beiden verfolgt. Dazu hatten die beiden ihr objektiv keinen Anlass geboten. Es war nur in ihrer Vorstellung so. Deshalb verneinte auch das Gericht das Vorliegen einer Notwehrsituation. Und nur in einer solchen ist der Einsatz eines geeigneten Abwehrmittels erlaubt. Auch der Einsatz einer Waffe im Sinne des Waffengesetzes wäre gerechtfertigt, wenn der Betroffene nicht anders den Angriff eines Dritten abwehren könnte.
Pfefferspray gilt in Deutschland wegen seiner Augen und Atmung betreffenden Wirkung als Waffe, obwohl handelsübliche Sprayflaschen als Mittel zur Tierabwehr bezeichnet sind, wie es in arktischen Zonen tatsächlich gegen Bären eingesetzt wird. Es darf trotzdem an Personen über 14 Jahren verkauft werden. Viele europäische Länder dagegen stufen Pfefferspray strenger ein und verbieten seinen Besitz und seine Anwendung, es sei denn man hat eine Waffenbesitzerlaubnis.