Weil er sich Zutritt zu einer Feier verschaffen wollte, zu der er offensichtlich ausgeschlossen war, wurde ein 45-jähriger Staffelsteiner am Amtsgericht der versuchten Nötigung samt Beleidigung für schuldig befunden. Der vorbestrafte Mann durfte sich von Richter Stephan Jäger anhören, dass sein Tun "nicht die schlaueste Idee" gewesen sei und dass er seine "Freiheit aufs Spiel gesetzt" habe.
Nicht selten trat der Beschuldigte während der Verhandlung im Brustton der Überzeugung vor Richter Stephan Jäger und Staatsanwältin Dominique Amend auf. Dann etwa, wenn er davon sprach, dass er befürchtet habe, die Nachbarn seiner Frau seien kein guter Umgang für seinen kleinen Sohn. Oder wenn er zu erklären suchte, dass ihm Alkohol nicht die Sicherungen durchbrennen lasse.


Über den Keller in den Flur

Den Grund dafür, weshalb er sich am 31. Dezember 2016 um 23.55 Uhr Zutritt zur Wohnung seiner Frau verschaffen wollte, sah er in Fürsorge. Seine Frau, mit der er zum Zeitpunkt des Geschehens eine An-Aus-Beziehung führte und die während des Verfahrens von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machte, zog es damals vor, Silvester mit ihren Nachbarn aus dem Mehrparteienhaus in Bad Staffelstein zu verbringen. Als ihr Mann mit seinem Hund Gassi ging, kam er an diesem Haus vorbei, betrat das Anwesen, betrat die Kellerräume und stieg über sie ungebeten den Flur hinauf. Das sollte Folgen für ihn selbst haben, denn nachdem er gegen die Wohnungstür drückte und sowohl seine Frau als auch ihr Nachbar sich dem nicht entgegenstemmen konnten, war es die Frau des Nachbarn, die ihm ein Tierabwehrspray in die Augen sprühte und ihn außer Gefecht setzte.
Soweit der objektiv feststehende Tatbestand, was ab da in der Verhandlung folgte, mochte hüben wie drüben subjektiv eingefärbt gewesen sein. Da war zum Beispiel die Geschichte mit dem 31-jährigen Nachbarn seiner Frau, jenem Mann, der sich ihm beim Öffnen der Tür entgegenstemmte. Über diesen Mann soll dessen eigene Ehefrau dem Angeklagten gegenüber davon gesprochen haben, dass er pornographische Bilder von Kindern besitze. Behauptung oder Wahrheit? Das Gericht ging in der Verhandlung nicht auf diesen Umstand ein.
Die Ehefrau des 31-Jährigen und Sprayerin wiederum machte keinen Hehl aus ihrer Abneigung gegen den Angeklagten. Bei der richterlichen Standardfrage zur Feststellung ihrer Personalien antwortete sie beispielsweise auf die Erkundigung danach, ob sie mit dem Beschuldigten verwandt oder verschwägert sei, mit "um Gottes Willen".


"Dicke Akte" beim Angeklagten

Auch gab die Zeugin an, dass sie sich mit dem Spray vorsorglich gegen ihn gewappnet habe. "Wir wussten ja, dass er eine dicke Akte hat", erklärte ihr Mann dazu. Die dicke Akte kam denn auch zur Sprache: zweimal Körperverletzung, dreimal vorsätzliche Körperverletzung, zweimal Beleidigung und Nötigung standen im Bundeszentralregister über den Angeklagten. Immer im Zusammenhang mit den Frauen, mit denen er lebte, wie Amend bemerkte. Zudem vermutete sie Alkohol als Auslöser und stieß damit auf Gegenwehr. "Es geht auch ohne Alkohol, dass ich meine Meinung sage", so der 45-Jährige, beifügend, dass er ab und an nur mal ein Bier trinke. "Aber nicht jeder, der ein Bier trinkt, hat ein BZR (Bundeszentralregister) mit neun Einträgen", so Amends rhetorischer Konter.
Überdies kam zur Sprache, dass der Angeklagte auch schon zwei Entgiftungen hinter sich gebracht hatte und zum Zeitpunkt seines Eindringens in das Mehrparteienhaus unter offener Bewährung stand. Das wog für Amend schwer, bezeichnete sie ihn doch als Bewährungsversager und führte in ihrem Plädoyer an, dass die Frage nach einer Haftstrafe auf Bewährung "relativ schnell verneint" werden könne. Sie forderte zehn Monate Haft.
Ausgleichender plädierte Rechtsanwalt Harald Stelzner, der von sieben Monaten Haft auf Bewährung und davon sprach, dass sich die Eheleute versöhnt hätten. Zudem machte er bei manchen Zeugen "Belastungseifer" aus.
In seinem Urteil ging Stephan Jäger eine Art Mittelweg und verhängte eine Geldstrafe. 3150 Euro wird der Verurteilte dafür zu zahlen haben, dass er in verschärftem Ton "seinen Willen durchzusetzen" suchte.