Martin Schweiger

Zum ersten Mal in seinem Leben musste am Mittwoch ein 80-jähriger Landwirt aus dem Maintal auf der Anklagebank des Amtsgerichts Haßfurt Platz nehmen. Sein Verfahren wegen eines Verkehrsdelikts wurde eingestellt.
Am 22. Dezember vergangenen Jahres war der Senior abends mit seinem Auto unterwegs. Bei der Einfahrt in den Kreisverkehr auf der ehemaligen B 26 zwischen Augsfeld und Zeil übersah er einen Mercedes, der im Kreisel fuhr. Es kam zum Zusammenstoß. Eine Frau und ihr Sohn, die in dem Mercedes saßen, wurden dabei leicht an der Schulter verletzt.
Es entstand ein Schaden von netto 21 480 Euro an den beiden Fahrzeugen. Der Unfallverursacher hatte zuvor einen halben Liter Wein getrunken und einen Alkoholpegel von 0,45 Promille intus. Er erhielt wegen fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs und Körperverletzung einen Strafbefehl über 2000 Euro plus ein achtmonatiges Fahrverbot.


Verzeihung

Er legte über seinen Anwalt Alexander Wessel Einspruch ein, so dass es zur Verhandlung kam und er sich vor Gericht in Haßfurt verantworten musste. Dort bat er um Verzeihung. Es sei dunkel und neblig gewesen, gab er zu Protokoll.
Der Verteidiger sagte, dass der Unfall wegen der schlechten Sichtverhältnisse ausgelöst worden sei und nicht unbedingt auf den Alkohol zurückzuführen sei. Es hätte jedem passieren können, meinte er. Sein Mandant müsse bereits zwei Anwälte und ein Gutachten bezahlen. "Der Abend hat ihn viel gekostet", sagte der Anwalt und bat darum, das Verfahren einzustellen und das Fahrverbot aufzuheben, da der Bauer seine Ernte einfahren müsse.
Das Gericht willigte ein und stellte das Strafverfahren ein. Als Auflage muss der Landwirt 2000 Euro an die Kreisverkehrswacht berappen. Seinen Führerschein bekam er noch im Gerichtssaal von der Richterin Ilona Conver ausgehändigt.