Wolf Fickenscher aus Neuenmarkt ist das Aushängeschild der Segelfluggruppe Kordigast Burgkunstadt. Während andere fleißig Briefmarken sammeln, sammelt der 40-jährige in der Klasse F 5B (siehe Infobox) seit 15 Jahren Titel am laufenden Band. Nachdem er vor zwei Jahren mit der deutschen Nationalmannschaft Weltmeister im österreichischen Turnau geworden war, holte er im vergangenen Jahr die deutsche Meisterschaft ein weiteres Mal an den Obermain.
Dem Weltklassepiloten gelang dabei ein ganz besonderes Kunststück, wie er bei der Jahresversammlung im Gasthof "Drei Kronen" erzählte: "Erstmals holte ich den Hattrick. Ich gewann alle drei Flugwettbewerbe zur deutschen Meisterschaft, die in Germersheim bei Speyer, Geilenkirchen im Ruhrgebiet und im unterfränkischen Bad Brückenau stattgefunden hatten."
Der verdiente Lohn: Vorsitzender Werner Hahn überreichte ihm bei der Versammlung Pokale für die beiden Titel, die Fickenscher in den vergangenen zwei Jahren gewonnen hatte. Zudem heftete ihm Bürgermeisterin Christine Fries eine Ehrennadel ans Revers. Seit 25 Jahren fühlt sich der mehrfache Weltmeister, Eurotoursieger und deutsche Meister bei den Modellfliegern in Burgkunstadt pudelwohl. Auf die Frage "Warum?" führte er gleich mehrere Gründe an: "Der Flugplatz in Kaltenreuth ist geräumig und ideal zum Trainieren. Außerdem schätze ich die Kameradschaft und Geselligkeit innerhalb der Segelfluggruppe."


Die WM im Visier

In diesem Jahr kann der Neuenmarkter seinen nächsten Titel holen. Als deutscher Meister nimmt er an der Weltmeisterschaft statt, die in der Nähe von San Remo stattfindet.
Fickenscher ist nicht der einzige Top-Pilot in den Reihen der Segelfluggruppe "Kordigast". Auch das Vater-Sohn-Gespann aus dem Landkreis Kronach trumpfte groß auf. Heiko Koch aus dem Küpser Ortsteil Schmölz wurde in der Klasse F5B-J oberfränkischer Meister, sein Vater Harald holte den dritten Platz. Bei den bayerischen Meisterschaften erzielten Modellflugpiloten von der Segelfluggruppe Kordigast Burgkunstadt im vergangenen Jahr ebenfalls erstklassige Platzierungen: Harald Koch wurde Sechster, Rudolf Mager aus Weismain belegte den zwölften Platz. Bei der oberfränkischen Meisterschaft hatte es Mager bis auf Position acht geschafft.
Vorsitzender Werner Hahn, der in seinem Amt als Vorsitzender bestätigt wurde (siehe Infobox), hatte einiges zu berichten. Erfreulich: Im vergangenen Jahr kam es nach Auskunft des Redners zu keinem Schadensereignis. "Das zeigt, wie umsichtig sich unsere Piloten verhalten."


Anzeige ging ins Leere

Der Segelfluggruppe war eine Anzeige ins Haus geflattert. Ein Neubürger aus dem Burgkunstadter Baugebiet Lerchenbühl, das sich unterhalb der Kalten-reuther Hochebene mit seinem Flugplatz befindet, fühlte sich in seiner Ruhe gestört. "Durch unsere detaillierten Aufzeichnungen im Flugbuch konnten alle Vorwürfe widerlegt werden", berichtete der Vorsitzende. Das Luftamt Nordbayern mit Sitz in Nürnberg stellte die Ermittlungen gegen die Segelfluggruppe ein. Zugleich bedauerte Hahn, dass der Beschwerdeführer nicht das Gespräch mit dem Verein gesucht habe. Als positives Gegenbeispiel führte er die Zusammenarbeit mit zwei Jagdpächtern an: "Sobald sich die beiden auf Pirsch begeben, stellen sie ein Warnhütchen auf und wir wissen Bescheid. So stört keiner den anderen bei der Ausübung seiner Tätigkeit." An die Piloten appellierte der Vorsitzende, die Aufstiegsgenehmigung genauestens einzuhalten.
Da sogenannte Quadrokopter, landläufig "Drohnen" genannt, immer populärer werden, gibt es im Berliner Verkehrsministerium Pläne, eine Höhenbegrenzung für ferngesteuerte Flugobjekte von 100 Metern einzuführen. Zu diesen würden auch die Flugzeugmodelle zählen, die die Piloten der Segelfluggruppe "Kordigast" in den Himmel steigen lassen.
Eine solche Regelung ist für den Vorsitzenden bar jeder Realität: "Für unseren Weltmeister Wolf Fickenscher ist das ein Klacks. Bereits nach wenigen Sekunden befindet sich sein Modellflieger oberhalb dieser Höhe. Auch im Kunstflug wird höher geflogen." Hahn rechnet deshalb nicht damit, dass es zu einer solchen Höhenbegrenzung kommen werde. Stephan Stöckel