Bei der 20. Literarischen Matinée in der Galerie des Kronacher Kunstvereins wurden zwei Autoren vorgestellt. Anlässlich des Endes des Ersten Weltkrieges 1918 präsentierte Angela Degen-Mad aus das literarische Sachbuch "Die Tagesordnung" des französischen Schriftstellers Eric Vuillard. Der 1968 in Lyon geborene Autor und Regisseur wurde vielfach ausgezeichnet für seine Bücher, in denen er große Momente der Geschichte neu erzählt und damit ein eigenes Genre begründet hat. 2017 bekam er für "Die Tagesordnung" den renommierten Prix Goncourt. Vuillard beschreibt die Nazidiktatur in der Zeit von 1933 bis 1938 und schildert das berühmte Geheimtreffen Adolf Hitlers am 20. Februar 1933 mit den deutschen Wirtschaftsbossen in Berlin. Vuillard erzählt in diesem Roman, der sich nicht als historisches Sachbuch versteht, mit analytischer Schärfe und satirischer Bissigkeit auf 120 Seiten von der Allianz des Bösen, deren Essenz der Terror ist.

Jahrzehnte später

In Holt, einer fiktiven Kleinstadt in Colorado klingelt eines Tages Addie, eine Witwe von 70 Jahren, bei ihrem Nachbarn Louis. Sie macht ihm einen ungewöhnlichen Vorschlag: Ob er nicht ab und zu bei ihr übernachten möchte. Louis lässt sich darauf ein. Und so liegen sie Nacht für Nacht nebeneinander und erzählen sich ihre Leben. "Unsere Seelen bei Nacht", den letzten Roman Kent Harufs (1943-2014), der posthum erschien, stellte Cristina Fontana informativ und einfühlsam vor. Wahrhaftig leben, auch wenn die Umwelt sie dafür verurteilt, keinen Sex, sondern Nähe und Geborgenheit finden, die Einsamkeit durch eine innige Bindung - die später Liebe wird - überwinden, verlorene Träume und Wünsche thematisieren: Das sind die Inhalte der im Roman auf ungewöhnliche Art eingegangenen Partnerschaft. red