Vergeben ja, vergessen nein? So lautete das Thema des 15. Dekanatsfrauentags in Gräfendorf. Ein Team mit den scheidenden Dekanatsfrauenbeauftragten Ingeborg Imhof und Ingeborg Böhm bereitete wie immer einen gut organisierten und abwechslungsreichen Nachmittag für die engagierten Frauen aus den Kirchengemeinden des ganzen Dekanats vor.

Im Zentrum stand der Vortrag von Elli Koch, die sich selbst über ihren Besuch im Dekanat mindestens genauso freute wie ihre etwa 150 Zuhörerinnen. Im Alltag passieren Verletzungen und Schuld ganz oft, hieß es in ihrem Vortrag. Oft merke man gar nicht, dass jemandem wehgetan wurde. Manchmal sind Verletzungen schon so lange her, dass keiner mehr genau den Anlass kennt und nur noch Groll und Zwietracht Beziehungen beherrschen. Vergebung könne nicht leichtfertig geschehen. Sie koste Überwindung und Auseinandersetzung mit der Schuld. Wer jedoch nachträgt, habe viel zu schleppen und verhärte sein Herz auch Gott gegenüber. Wem die Vergebung gelingt, der könne frei werden und es ist der erste Schritt zum Heilwerden, erklärte sie weiter.

Vergeben heiße nicht, sich alles gefallen zu lassen, die Schuld kleinzureden, alles zu verstehen und müsse auch nicht vergessen heißen. Es kann auch sein, trotz der Vergebung, dem anderen nicht mehr vollständig zu vertrauen.

Wie geht Vergeben? Dies sei ein Prozess mit mehreren Schritten. Zunächst gehe es um ein genaues Anschauen der Schuld des anderen, um ein Benennen der Gefühle. Dann gelte es den eigenen Schmerz zuzulassen - ohne dabei die Wut am anderen oder sich selbst auszulassen. Das mag eine große Herausforderung sein. Im letzten Schritt heißt es: Loslassen, aktiv zu vergeben, erklärte die Referentin weiter.

Nach dem Austausch der Teilnehmerinnen dazu bei Kaffee und Kuchen fanden für die Besucherinnen Angebote wie Gesprächskreise, interaktive Bibelarbeit, Musik, Kreativgruppe, meditativer Tanz oder stille Besinnung statt. Auch die Möglichkeit zum Seelsorgegespräch bestand.

Nachdem die bisherigen Dekanatsfrauenbeauftragten ihr Amt nach vielen Jahren niederlegten, wurden die neuen Dekanatsfrauenbeauftragten und ihre Stellvertreterinnen vorgestellt.

Gewählt wurde Lydia Pajunk (KG Bad Brückenau) und Christa Heil (KG Geroda) sowie als Stellvertreterinnen Martina Klein (KG Lohr), Ute Töpfer (KG Marktheidenfeld) und Kirsten Zinn (KG Bad Brückenau). Eine feierliche Andacht von Elli Koch rundete den Tag ab. red