Weder Wind noch Regen hinderten am Sonntag die über 500 Pilger der Dettelbacher Wallfahrt, einen neuen Teilnehmerrekord zusammenzubekommen. Die seit 1639 alljährlich als Gelöbniswallfahrt durchgeführte Aktion wurde heuer wieder mit verschiedenen Varianten angeboten.

Eine Fußwallfahrergruppe mit über 50 Personen startete bereits am Samstag unter der bewährten Leitung von Angela Neudörfer. Die Radwallfahrergruppe startete trotz ungünstiger Witterung unter der Leitung von Elmar Gerner am frühen Sonntagmorgen. Ihnen folgten mit vier Bussen die Buswallfahrer. Viele Höchstadter machten sich mit dem eigenen Fahrzeug auf den Weg.

In seiner Predigt ging Dekan Kilian Kemmer auf das "Fassadentum" in Kirche und Gesellschaft ein, das zu einem Glaubwürdigkeitsverlust und zu Verdrossenheit führe. Doch die "Diskrepanz zwischen äußerem Schein und tatsächlichem Sein beginnt bei jedem Einzelnen im Alltag und nicht erst im Münchner oder Berliner Regierungsviertel, im Weißen Haus oder im Kreml". Enttäuschungen dürften nach Kemmers Ansicht nicht zu Misstrauen, Verfolgungswahn oder Verschwörungstheorien führen. "Vertrauen und Verantwortung bleiben die ausschließliche Basis, auf der Zusammenleben gelingt."

Dabei verwies Kemmer auf das Dettelbacher Wallfahrtsbild der schmerzhaften Muttergottes. Maria zeige die ganze Wahrheit, zu der auch Enttäuschung und Leid gehören. Der rechte Umgang mit Leid und Sorgen bleiben wie bei Maria ein Glaubwürdigkeitsmerkmal der Christen, so Kilian Kemmer. Bürgermeister Gerald Brehm (JL) sprach die Gelöbniserneuerung für alle Wallfahrer.

Ehrung für Angela Neudörfer

Am Ende stand Angela Neudörfer im Mittelpunkt des Geschehens. Vor 30 Jahren belebte sie die Fußwallfahrt wieder, die Anfang des 20. Jahrhunderts nach der Erfindung von Bahn und Omnibus eingeschlafen war. In den drei Jahrzehnten leitete Neudörfer die Fußwallfahrt, die sich zu einer logistischen Herausforderung entwickelte, nahm doch die Teilnehmerzahl stetig zu. Ein ganzer Begleit- und Helferstab muss koordiniert werden, damit die Wallfahrt reibungslos verlaufen kann.

Bereits am Vorabend des Wallfahrtsgottesdienstes ließen die Fußwallfahrer in ihrem Quartier in Hörblach die vergangenen 30 Jahre mit Angela Neudörfer heiter-besinnlich Revue passieren. Am Sonntag ehrte der Pfarrer der Dettelbacher Wallfahrtskirche, Uwe Hartmann, Angela Neudörfer mit dem goldenen Dettelbacher Wallfahrtskreuz. Alle wünschten sich, dass es nach Angela Neudörfer gut weiter geht, will sie doch die Aufgabe nun in jüngere Hände legen. Mitmachen und unterstützen möchte sie zur Freude aller auch weiterhin. LM