"Fast schon Erpressung", nannte Gemeinderat Hans-Jürgen Brehm (Huppendorf) den Antrag seines Treunitzer Kollegen Jürgen Münch in der Königsfelder Ratssitzung im Mai 2018. Münch legte eine grobe Kostenschätzung für die Sanierung der Dorfgemeinschaftshalle Treunitz vor, nach der 7200 Euro an Materialkosten anfallen würden. Um Lohnkosten zu sparen, erklärten sich die Treunitzer Bürger dazu bereit, soweit es geht selbst mit anzupacken.

Nach kritischen Stimmen einiger Ratskollegen sagte Münch "dann soll die Hütte eben einfallen". Das wird sie nun aber wohl nicht: In der jüngsten Sitzung beruhigten sich die Gemüter, und die Gemeinderäte bewilligten einstimmig eine finanzielle Unterstützung in Höhe von bis zu 10 000 Euro. Der Streit im Mai ging darum, ob die Hütte überhaupt saniert werden müsste. Einige Räte sprachen sich für eine Teil- statt einer Vollsanierung aus. "Auf eine Stückelung lassen sich die Treunitzer nicht ein", sagte Münch darauf. Die Mehrheit der Ratsmitglieder forderte schließlich, Münchs Grobkostenschätzung mit schriftlichen Angeboten der Firmen zu konkretisieren.

Das wurde nun umgesetzt. Ein Zimmererfachbetrieb erklärte in einer Stellungnahme, dass eine Teilsanierung nicht möglich sei, weil die Standsicherheit des Gebälks durch Bauten am Dach nicht mehr gegeben sei. Für die Komplettsanierung schätzt der Betrieb Kosten von rund 17 500 Euro. Weil sich aber die Dorfgemeinschaft dazu bereit erklärte, die Arbeiten größtenteils selbst durchzuführen und dabei nur fachlich von einem Zimmerer unterstütz zu werden, fallen die Kosten auf rund 9000 Euro. Die Gemeinderäte stimmten schließlich dafür, maximal 10 000 Euro beizusteuern, um Material und den Fachmann zu bezahlen. "Die Dorfgemeinschaft Treunitz übernimmt alle weiteren Arbeitsleistungen", hieß es im Beschluss.

"Auch viele Feuerwehrhäuser wurden mithilfe der Bürger saniert", sagt Bürgermeisterin Gisela Hofmann. "Dafür habe ich größten Respekt! Hier klappt es noch mit der Dorfgemeinschaft", freut sie sich. Dass die Kostenschätzung von Münch im Mai niedriger war, liegt laut Hofmann daran, dass mehr Holz benötigt wird, als damals angegenommen worden war. Und warum gab es diesmal keinen Streit mehr? "Die Gemeinderäte haben gemerkt, dass die Sanierung der Halle für die Bürger wichtig ist", sagt sie.

Die Dorfgemeinschafsthalle in Treunitz wird als Lagerraum für Tische, Bänke, eine Hackmaschine und Planierschilder verwendet. Auch die Treunitzer Feuerwehr nutzt die Halle zur Lagerung. makl